Dr. E.: Meinst du? Wie soll denn so ein junger Wurm in das Fleisch eines Ochsen geraten?
Fritz: O, das weiß ich, Vater! Im Fleisch der Ochsen und Kühe sitzen keine Bandwürmer, sondern sogenannte Finnen, und wenn man diese mit ißt, so bekommt man den Bandwurm.
Dr. E.: Nun, das führt uns wenigstens etwas weiter. Was du da sagst, hat seine volle Richtigkeit. Diese Finnen, welche man gar nicht so selten zwischen den Fleischmassen des Rindviehs zerstreut findet, erscheinen wie kleine, fast erbsengroße Bläschen, von deren Wand ein winziges, kaum stecknadelkopfgroßes Knöpfchen ins Innere hineinragt. Dieses kleine Knöpfchen, welches eben wegen seiner Kleinheit leicht dem Hackmesser entgeht, ist das Gefährliche bei der Sache, denn aus ihm entwickelt sich, wenn es in den Magen und Darm des Menschen gelangt, die viele Meter lange Kette des erwachsenen Bandwurms.[40]
Kurt: Wie kann man denn so was beobachten?
Dr. E.: Das ist natürlich nicht so leicht. Vermutet hat man es schon seit alten Zeiten, da dieses kleine Knöpfchen in der Finne ganz genau so aussah, wie der sogenannte Kopf eines erwachsenen Bandwurms mit seinen Saugnäpfen. Bewiesen aber wurde der Zusammenhang zwischen beiden erst dadurch, daß einige Naturforscher sich nicht scheuten, absichtlich rohe Finnen zu essen. Sie konnten so feststellen, daß in jedem Falle nach dem Genuß derselben das Bandwurmleiden auftrat, ja, daß in der Regel gerade so viel Bandwürmer im Menschen sich entwickelten, als derselbe Finnen verschluckt hatte.
Hans: Brr! Papa, da möchte ich doch kein Naturforscher sein!
Dr. E.: Das glaub’ ich dir, Hansel. Appetitlich ist ja so ein Finnenbutterbrot gerade nicht. Wenn es sich aber darum handelt, die Wissenschaft zu fördern, und wenn dadurch die Wege gefunden werden, wie die Menschheit vor schweren Plagen beschützt werden kann, dann kommen solche kleinen Bedenken für den echten Forscher nicht in Betracht. Hoffentlich wirst du einst ebenso denken, wenn du größer bist.
Kurt: Aber wie kommen denn nun die Finnen in das Rindfleisch hinein?
Dr. E.: Ein erwachsener Bandwurm bringt, wie die meisten Tiere, Eier hervor, und zwar eine ungeheure Menge in jedem einzelnen Gliede. Die Eier sind so klein, daß man sie mit bloßem Auge gar nicht sehen kann. Gelangen nun einzelne Glieder des Bandwurms mit dem Kot nach außen, so zerfallen sie allmählich; die Tausende von Eierchen aber, die in ihnen waren und die vielleicht mit dem Dung auf das Feld gefahren werden, zerstreuen sich in alle Winde, heften sich an Blatt und Kraut des Ackers oder der Wiese und geraten so mit den Pflanzen in den Magen des weidenden Viehes. Im Magen der Kuh kriecht alsbald aus dem Eichen ein winzig kleines Geschöpf, das die Darmwand durchbohrt, von dem Blutstrom der Adern bis in das Fleisch des Tieres geführt wird und hier zu einer erbsengroßen Blase, also zu der vorhin erwähnten Finne auswächst.
Fritz: Was hat denn aber dies alles mit unserm Karo zu tun?