Dr. E.: Das ist noch keineswegs gesagt, denn dem Eise auf unserm See fällt es doch gar nicht ein, zu schmelzen, bloß, weil es auf dem Wasser liegt. Das hängt ganz allein von der Wärme ab, die das Wasser besitzt. Ich meine, wird der Eisklumpen oben bleiben oder untersinken?
Fritz: Er wird wohl schwimmen, wie jedes Eis.
Dr. E.: Und wenn wir ihn mit Gewalt in die Tiefe stoßen?
Kurt: Dann kommt er nach kurzer Zeit wieder hoch, gerade wie ein Stück Holz.
Dr. E.: Und wie erklärt sich dies alles?
Auftrieb. Zusammensetzung des Wassers
Fritz: Ach, jetzt weiß ich, worauf du hinaus willst. Wenn Wasser zu Eis wird, so nimmt es einen größeren Raum ein als vorher, folglich muß Eis leichter sein als Wasser, und es schwimmt daher auf demselben. Wird es aber in die Tiefe gestoßen, so entsteht ein Gegendruck des Wassers von unten her, der es wieder an die Oberfläche hebt.
Dr. E.: So, das war endlich, was ich haben wollte. Dieser Gegendruck des Wassers, der leichtere Gegenstände wieder an die Oberfläche empordrückt, wird mit dem Namen „Auftrieb“ bezeichnet, und jetzt wissen wir alles, was zur Erklärung der Eisberge nötig ist. Die Gletscher wachsen, wie ich schon sagte, im hohen Norden bis ins Meer hinein. Das Eis schmilzt in dem eiskalten Wasser nicht, sondern schiebt sich immer weiter schräg abwärts ins Meer in derselben Richtung, in welcher der ganze Gletscher von der Höhe her zum Ufer abfällt. Je größer aber die Menge des Eises wird, die so unter das Wasser gerät, desto stärker wird der „Auftrieb“, der das Eis an die Oberfläche zu heben strebt. Schließlich gewinnt er die Oberhand: der unter Wasser befindliche Teil des Gletschers bricht nahe dem Ufer ab und steigt nun als gewaltiger, wohl 100 und mehr Meter über die Oberfläche aufragender Eisberg empor. Man nennt dies drolligerweise das „Kalben“ der Gletscher.
Kurt: Warum sagtest du denn, daß diese Eigenschaft des Eises für die Menschen und Tiere auf der Erde so wichtig sei?
Dr. E.: Weil dadurch das Eis, das im Winter auf unsern Seen und Flüssen entsteht, verhindert wird, in die Tiefe zu sinken, und es so eine schützende Decke gegen die Einwirkung der Kälte auf das übrige Wasser bildet. Sänke das Eis zu Boden, so würden unsere Gewässer allmählich bis auf den Grund ausfrieren, und diese Menge Eis würde der Sommer schließlich nicht mehr bewältigen können. Du siehst also wohl ein, daß wir hier bald ebenso im ewigen Eise sitzen würden, wie die armen Eskimos im fernen Grönland.