Dr. E.: Nein, die gehören in die Nähe des Spargels und der Maiblume. Schon die einfachen, lanzettlich linealischen Blätter lassen auf den ersten Blick erkennen, daß wir es nicht mit einer Palme zu tun haben.

Fritz: Warum heißen denn diese Pflanzen eigentlich „Drachenbäume“? Dracaena ist ja nur die lateinische Übersetzung.

Drachenbäume. Harz

Dr. E.: Mit dem Namen „Drachenbäume“ belegt man eine ganze Reihe von Pflanzen, von welchen ein dunkelblutrotes Harz, das sogenannte „Drachenblut“, gewonnen wird. Dasselbe war früher in der Medizin hoch geschätzt und wurde mit Gold aufgewogen, während es heute nur noch zu Polituren, Firnissen usw. Verwendung findet. Das meiste Harz kommt von einer ostindischen Palmenart, der Drachenpalme[61], in den Handel; auch ein westindischer Baum mit Schmetterlingsblüten[62] liefert ziemlich viel davon. Am berühmtesten aber war das Drachenblut einer Dracaena auf den Kanarischen Inseln, des seltsamen, fast vorsintflutlich gestalteten Drachenbaumes[63], deren einer, von gewaltigem Umfange und nach Alexander von Humboldts Schätzung viele tausend Jahre alt, von den Ureinwohnern der Inseln, den tapfern Guanchen, als heilig verehrt wurde. Er stand in dem Städtchen Orotava und ist erst in den 60er Jahren durch einen Sturm vernichtet worden. Von diesem kanarischen Drachenbaum, der übrigens gewiß herzlich wenig Drachenblut lieferte, hat die ganze Gruppe der Dracaenen, die ja zu den beliebtesten Zimmerpflanzen gehört, ihren Namen erhalten.

Kurt: Inwiefern sind sie denn mit unserm Spargel verwandt?

Dr. E.: Nun, du könntest sie auch als baumförmige Lilien bezeichnen. Im Bau ihrer Blüten, die ja gar nicht so selten auch bei uns als reichblütige violette Rispen zur Entwicklung kommen, gleichen sie ihnen vollständig, und die Frucht ist wie beim Spargel und Maiglöckchen eine dreisamige rote Beere.

Fritz: Was für einen Zweck hat denn eigentlich dieses Drachenblut in der Pflanze?

Dr. E.: Wie ich schon sagte, gehört das Drachenblut zu den Harzen, die gleich den flüssigen Balsamen im Pflanzenreiche weit verbreitet sind. Ich erinnere nur an das Harz unserer gewöhnlichen Kiefern und Fichten. Was für eine Bedeutung diese Harze für die Pflanze haben, ist wohl noch nicht ganz sicher festgestellt. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um Stoffe, die bei den chemischen Vorgängen im Innern der Pflanze als unbrauchbar ausgeschieden wurden und nun in röhrenartigen Hohlräumen zwischen dem Gewebe, in den sogenannten Harzgängen, sich ansammeln. In vielen Fällen indes erscheint die reichliche Harzbildung geradezu als eine Krankheit. So kann man bekanntlich das Holz unserer Tannen „kienig“, d. h. reich an Harzen machen, wenn man sie verwundet.

Fritz: Wird denn nicht auf ähnliche Weise, ich meine durch Reißen von Wunden in den Stamm, das Harz aus unsern Fichten gewonnen?

Terpentin. Gummi. Kautschuk