Dr. E.: Allerdings. Was in den sogenannten Harzgängen unserer Nadelhölzer zunächst vorhanden ist, heißt Terpentinöl und ist dünnflüssig. Nachdem es aber aus der Wunde herausgeflossen ist, verändert es sich teilweise unter dem Einfluß der Luft, es „verharzt“ und wird zäher. Man erhält so den gewöhnlichen Terpentin, der demnach als eine Mischung von Terpentinöl und Harz zu bezeichnen ist.

Kurt: Ist denn der Kirschgummi an unsern Pflaumen- und Kirschbäumen auch durch eine Verwundung hervorgerufen?

Dr. E.: Ja. So wie es eine Harzkrankheit gibt, so gibt es bei manchen Pflanzen auch eine Gummikrankheit. Aus beiden aber weiß der Mensch Vorteil zu ziehen. Denn wie er das Harz einsammelt, um allerlei nützliche Stoffe daraus zu machen, wie Terpentin und Kolophonium, so benutzt er auch das Gummi verschiedener Pflanzenarten zu mannigfachen Zwecken.

Kurt: Oh, Radiergummi und Gummibälle haben wir ja sogar hier im Hause.

Dr. E.: Nein, Kurt, an die habe ich zunächst nicht gedacht; die gehören in ein ganz anderes Kapitel. Ich hatte in erster Linie das Gummiarabikum im Auge, das ihr ja aber auch kennt. Es fließt in ganz ähnlicher Weise wie unser Kirschgummi aus der Rinde afrikanischer Akazien oder Mimosen heraus, um bald an der Luft zu spröden, glasglänzenden Stücken zu erhärten. In Wasser gelöst liefert es dann ein vorzügliches Klebmittel.

Kurt: Aber unser Radiergummi stammt doch auch von einer Pflanze?

Dr. E.: Allerdings, und sogar von einer, die wir hier im Zimmer haben.

Fritz: Du meinst doch nicht unsern Gummibaum?

Dr. E.: Und warum sollte ich den nicht meinen?

Fritz: Ich habe doch nie auch nur die geringste Spur Gummi an ihm bemerkt.