Dr. E.: Das will ich wohl glauben. Denn hier handelt es sich auch nicht um eine Krankheit, wie bei den Kirschbäumen und Mimosen, bei denen das Gummi aus einer Wunde nach außen tritt. Beim Gummibaum gehört die Bildung des Gummis ebenso zu den regelmäßigen Lebensvorgängen, wie bei den Tannen die Bildung des Harzes in den Harzröhrchen. Wir müssen also das Gummi im Innern der Pflanze suchen.

Kurt: Da wäre ich aber doch riesig neugierig!

Dr. E.: Nun, ich denke, ein Blatt können wir schon opfern. Bringt mal den Baum her. — So, jetzt habe ich den Blattstiel durchgeschnitten. Seht ihr etwas?

Fritz: Ich sehe weiter nichts, als einen Tropfen weißen Milchsaft, wie ihn auch die Wolfsmilch hat.

Dr. E.: Und gerade dieser weiße Milchsaft ist der Saft, aus dem eure Gummibälle gemacht werden.

Kurt: Ach, das ist gediegen! Ein Gummiball aus Milch klingt ja wie die reinste Zauberei!

Dr. E.: Und doch ist die Sache ziemlich einfach. Vorhin habe ich euch erzählt, daß das flüssige Terpentinöl der Tanne an der Luft sich verändert und zu festem Harz wird. Ähnlich ergeht es diesem weißen Milchsaft; er gerinnt an der Luft und bildet dann eine ungemein zähe, elastische Masse.

Fritz: Aber das Gummi sieht doch dunkel aus, und dieser Milchsaft ist weiß!

Dr. E.: Das ist wohl nicht allzuschwer zu erklären, wenn wir an die Zubereitungsarten denken. Die einfachste, im Innern Afrikas gebräuchliche ist die, daß die Eingeborenen ihren Körper mit dem Milchsaft beschmieren, ihn hier eintrocknen lassen und dann die zähe dünne Schicht auf Stäbchen wickeln. Sollte er dabei wohl so ganz sauber bleiben? In andern Gegenden wird der eingesammelte Milchsaft auf sog. Formhölzer gestrichen oder in Pfannen geräuchert und erscheint dadurch später ebenfalls dunkel gefärbt, doch kommen auch weiße oder gelbe Sorten in den Handel.

Kurt: Ich dachte gar nicht, daß es verschiedene Sorten gäbe.