Dr. E.: Das glaub’ ich. Die gehören auch zu dieser Sippschaft. Aber sie sind eben nur ein Beispiel von vielen. Ich glaube kaum, daß es unter den Landtieren — Wassertiere verlangen ja andere Bedingungen — irgendeine größere Gruppe gibt, aus der nicht einige Arten sich die Wohnungen der Menschen zum Aufenthalt gewählt hätten.
Kurt: Also Wirbeltiere auch?
Dr. E.: Na, Kurt, ich denke doch. Oder sollte Mama die Mausefalle nur zum Vergnügen in ihrem Kleiderschranke aufgestellt haben?
Kurt: O weh! Da habe ich mich aber schön blamiert. An die Ratten und Mäuse habe ich gar nicht gedacht.
Dr. E.: Weißt du denn, wie viele Arten davon in unsern Häusern leben?
Kurt: Ich dachte, das wäre immer nur die Hausmaus und die Hausratte.
Dr. E.: Nicht doch. Neben der Hausmaus[69] finden sich wenigstens im Winter häufig noch die Waldmaus[70] und die Brandmaus[71], denen es dann draußen zu ungemütlich wird. Von Ratten aber müssen wir gegenwärtig drei unterscheiden, die sich vollständig dem Menschen angeschlossen haben: Die Hausratte[72], die Wanderratte[73] und die ägyptische Ratte[74].
Fritz: Die ägyptische? Wie kommt denn die hierher?
Dr. E.: Durch Wanderung, wie auch die beiden andern Arten. Es ist nämlich eine höchst merkwürdige Geschichte mit den Ratten. Zuerst hatten wir wahrscheinlich allein die Hausratte. Sie scheint aus Persien zu stammen, muß aber schon im frühen Mittelalter nach Europa gekommen sein. 1727, nach einem starken Erdbeben, soll dann die Wanderratte aus den kaspischen Ländern ihren großen Zug nach Westen angetreten haben. Es wird berichtet, daß sie zunächst in gewaltigen Scharen über die Wolga setzte, Rußland bevölkerte und dann in wenigen Jahrzehnten nicht bloß ganz Europa, sondern fast die ganze Erde eroberte. Doch erscheint es nach neueren Forschungen nicht ausgeschlossen, daß sie auch schon vor jenem Wanderzuge in Europa heimisch war. Da sie stärker und größer ist als die Hausratte, so muß letztere in dem erbitterten Kampfe, den beide Arten um die Herrschaft führen, überall zurückweichen. Nur in entlegenen Weilern und hie und da in den oberen Stockwerken der Häuser, welche die Wanderratte nicht liebt, fristet sie noch ein kümmerliches Dasein. In neuerer Zeit ist nun namentlich in den südlicheren Ländern Europas auch der Wanderratte ein Konkurrent erwachsen, nämlich die vorhin erwähnte ägyptische Ratte oder Dachratte, deren Ausbreitung nach Westen ebenfalls ziemlich schnell vor sich zu gehen scheint. Auch bei uns hat sie sich schon hie und da heimisch gemacht.
Kurt: Kann man denn die Arten leicht unterscheiden?