Kurt: Ich weiß nicht, Vater, warum du so ironisch bist. Ist es denn nicht wahr, daß die Schmetterlinge durch ihr Auskriechen aus der Puppe den Frühling anzeigen? In Schnee und Eis, und wenn alles kahl ist, können sie doch nicht leben. Außerdem steht es ja auch in jedem Frühjahr in der Zeitung, wenn die ersten Schmetterlinge beobachtet werden.
Dr. E.: Das letztere ist allerdings richtig, beweist aber in diesem Falle weiter nichts, als daß weder die Einsender solcher Notizen, noch die Redaktionen der Zeitungen sich in dem Besitz auch nur des bescheidensten Schmetterlingsbüchleins befinden. Sonst würden sie wissen, daß gerade diese Falter, die in den ersten sonnigen Tagen des scheidenden Winters so häufig gefunden werden, wie der Fuchs, der Zitronenfalter, das Tagpfauenauge und andere, durchaus nicht der Puppe entschlüpft sind, sondern vom Herbst her an irgendeinem versteckten Plätzchen überwintert haben. Es sind Weibchen, die erst im kommenden Frühling ihre Eier ablegen wollen, ehe sie sterben. Oft werden die Tiere natürlich durch die wärmeren Strahlen der Sonne hervorgelockt; häufig aber, und namentlich, wenn sie in unsern Häusern Unterschlupf gefunden haben, sind sie einfach in ihrer Ruhe vorzeitig aufgestört worden und werden nun für das Kommen des Frühlings verantwortlich gemacht.
Fritz: Das ist mir auch neu, daß Schmetterlinge überwintern. Da können sie doch keine Nahrung finden.
Dr. E.: Die brauchen sie auch nicht. Sie verfallen eben in eine Art Winterstarre oder Winterschlaf, wie viele andere Tiere. In der Schule werdet ihr das wohl nur von dem Hamster, dem Murmeltier, dem Igel und andern Säugetieren besprochen haben; bei den Insekten aber ist diese Erscheinung jedenfalls noch viel allgemeiner verbreitet.
Kurt: Und wo findet man diese schlafenden Insekten?
Dr. E.: Schade, daß augenblicklich wieder Schnee liegt. Sonst könnten wir mal eine Winter-Exkursion auf Insekten unternehmen. Als Knabe habe ich das fleißig betrieben und viel dabei gelernt. Es war ein hochstämmiger Tannenwald mit dichtem Moospolster, zu dem ich am liebsten meine Schritte lenkte. Da hättet ihr einmal sehen sollen, was ich alles unter dem Moose, unter Laub und aus dem Innern vermorschter Baumstämme hervorzaubern konnte. Nicht bloß Käfer aller Art und Larven und Puppen waren da, sondern auch Wespen, Hummeln, Schlupfwespen, Fliegen, Wanzen, Spinnen, Asseln und Tausendfüße, kurzum die ganze bunte Gesellschaft des Sommers, und viele von ihnen hatten sich niedliche Höhlen gegraben, in denen sie mit ihren erstarrten Gliederchen ausruhten.
Hausbewohner. Ratten. Dorfschwalbe
Kurt: Ach bitte, Vater, das wollen wir doch einmal machen! — Aber ist es nicht interessant, daß dieses Pfauenauge sich gerade unsern Hausboden als Zufluchtsort gewählt hat?
Dr. E.: Ich finde das nicht so außergewöhnlich. Gibt es doch zahllose andere Tiere, die auch gemerkt haben, einen wie prächtigen Unterschlupf die Wohnungen der Menschen gewähren. Viele derselben fühlen sich ja so wohl darin, daß sie kaum noch wo anders zu finden sind und wir sie gar nicht wieder los werden können.
Hans: Ja, Papa, jeden Tag schlägt Doris in der Küche welche von den großen, braunen Kakerlaken tot.