Dr. E.: Da wirst du natürlich ein recht geistreiches Gesicht gemacht haben! An sich aber ist die Sache höchst einfach, wenn wir wissen, daß alle Insekten unmittelbar nach der Häutung zunächst ganz weiß sind, und daß die Häutung und Färbung ihres Chitinpanzers erst im Verlauf der nächsten Stunden erfolgt. Ein schwarzer Wasserkäfer, der aus seiner Puppe kriecht, sieht anfangs gerade so weiß aus, wie deine Kakerlake. — Aber gibt es denn nun überhaupt keine Käfer im Hause?

Fritz: O ja, die sogenannten Holzkäfer[85] in den alten Kommoden und Schränken, die so runde Löcher bohren.

Totenkäfer. Geradflügler. Fliegen

Kurt: Sind das dieselben, die ein so sonderbares Ticken verursachen, daß man sie als Totenuhren bezeichnet?

Dr. E.: Ja. Abergläubische Menschen haben in dem Klopfen, das diese Tierchen mit der Stirn gegen das Holz ausführen, und das man namentlich in stiller Nacht deutlich vernehmen kann, ein Zeichen des herannahenden Todes erblicken wollen. In Wirklichkeit ist es, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein Lockruf, mit Hilfe dessen die Liebespärchen sich zueinander finden.

Fritz: Gibt es nicht auch noch eine andere Art Totenkäfer?

Dr. E.: Ja, das sind große, ganz schwarze Tiere[86], die aber in unsern Wohnungen ziemlich selten sind. Ihr Hervorkriechen aus irgendeinem Winkel soll ebenfalls den Tod anzeigen. Weit häufiger sind die verschiedenen Arten der Speckkäfer[87], die Pelz-[88], Brot-[89] und Mehlkäfer[90], die ihr hauptsächlich in Küche und Speisekammer zu suchen habt. Aus alten Vorräten von Graupen, Erbsen, Linsen usw. würde Mutter euch wahrscheinlich ebenfalls allerlei Käfer[91] zur Verfügung stellen können, die aber meist erst zum Vorschein kommen, wenn man jene Früchte in Wasser einweicht.

Kurt: Dann wären also die Käfer sehr reichlich in den Wohnungen vertreten?

Dr. E.: Gewiß, sie bilden ja auch ohnehin die artenreichste Gruppe der Insekten. Neben ihnen machen sich jedoch auch die Geradflügler in mancherlei Formen bemerkbar.

Fritz: Das waren aber doch bloß die zwei Arten Kakerlaken.