Dr. E.: Diesen zweien könnten wir zunächst wohl noch eine dritte Art anreihen, die freilich aus Amerika stammt, jetzt aber namentlich in unsern Hafenstädten schon ziemlich verbreitet ist, nämlich die große amerikanische Schabe, Periplanéta americána. Sodann wollen wir die Heimchen[92] nicht vergessen, die bei jedem Bäcker zu finden sind und sich durch ihr lautes eintöniges „Cri-cri“ bemerkbar machen. In alten Büchern leben die winzigen Staub- oder Bücherläuse[93], die sich als nahe Verwandte der berüchtigten Termiten darstellen, auf unseren Blumentöpfen verschiedene Arten von Springschwänzen[94], die man wenigstens früher auch zu den Geradflüglern rechnete, während in der Speisekammer und zwischen altem Gerümpel das flinke Silberfischchen[95] sich tummelt, dessen flügelloser Körper über und über mit silberglänzenden Schuppen gepanzert ist.

Kurt: Das ist ja eine bunte Gesellschaft. — Dann wird es auch wohl verschiedene Sorten von Fliegen bei uns geben.

Dr. E.: Im Winter wohl schwerlich; da müssen wir uns eben mit den paar übriggebliebenen Stubenfliegen[96] behelfen. Im Sommer freilich ist das anders. Die großen blauen Brummer[97], die ich als Junge immer für die Männchen der Stubenfliege hielt, kennt ihr ja; ebenso die rotäugige Schmeißfliege[98] mit dem schachbrettartig gemusterten Hinterleib. Eine Art, die fast ebenso aussieht wie unsere Stubenfliege, nur ein wenig kleiner ist und einen hellern Bauch hat, ärgert uns durch ihre furchtbare Unverschämtheit, mit der sie sich immer wieder gerade auf unsere Stirn setzt, auch wenn wir sie zehnmal weggejagt haben. Es ist die Hundsfliege, Déxia canína. Wieder eine andere, die Stech- oder Blindfliege[99], ebenfalls einer kleinen Stubenfliege gleichend, quält Mensch und Vieh nicht wenig, denn sie vermag ganz empfindlich zu stechen. Daneben gibt es noch eine größere Zahl, die mehr gelegentlich in unsern Zimmern und an den Fensterscheiben sich herumtreiben.

Fritz: Kommen nicht aus den Käsemaden auch Fliegen?

Dr. E.: Ja, die hätte ich bald vergessen. Ihr könnt sogar zwei ganz verschiedene Arten aus dem Käse züchten. Die Maden der einen sind glatt und zeichnen sich durch ihre famosen Sprünge aus. Das ist die echte Käsefliege, Pióphila cásei. Etwas seltener findet man eine zweite Sorte bestachelter bräunlicher Maden, welche einer sogenannten Blumenfliege, der Anthomýia caniculáris angehören.

Mücken. Flöhe. Wanzen. Läuse

Hans: Im Hochsommer kommen ja auch die Mücken in unsere Schlafstuben.

Dr. E.: Sehr richtig, Hansel! Die haben es allerdings wohl weniger auf unsere Wohnungen, als auf uns selbst abgesehen, indem sie einfach den Menschen gerade für gut genug halten, um mit seinem kostbaren Blut ihren Appetit zu stillen. Wir in unserm kühlern Deutschland sind ja am Ende noch nicht so übel dran, wenn es auch gerade keine angenehme Musik ist, die uns von so einem halben Dutzend dieser Quälgeister beim Einschlafen vorgemacht wird. Wie geradezu unleidlich diese Plage indes in den Tropen wird, wenn die Moskito-Schwärme in solchen Scharen anrücken, daß man, wie Alexander v. Humboldt sagt, seinen Namen mit dem Stock hineinschreiben kann, davon werdet ihr ja wohl schon gehört haben.

Fritz: O, natürlich; das steht ja öfter in den Reisebeschreibungen. Ich habe aber neulich gelesen, daß diese Tiere durch ihren Stich auch das böse Sumpffieber verursachen, das ja wohl an vielen Orten in den Tropen herrscht.

Dr. E.: Ganz recht; es handelt sich hierbei um verschiedene Arten der Mückengattung Anópheles, die beim Stechen zugleich mit ihrem Speichel einen höchst gefährlichen, nur bei starker Vergrößerung sichtbaren Schmarotzer, das sogenannte Plasmódium, in unser Blut einführen, wodurch dann die gefürchtete Malaria-Krankheit entsteht. Tausende von Menschen gehen alljährlich an diesem Fieber zugrunde, und schon in Italien sind weite Landstrecken — denkt etwa an die Campagna und die Pontinischen Sümpfe — durch diese Plage fast unbewohnbar gemacht.