Fritz: Durch so ein Gehäuse müssen die Tiere doch im Wachsen riesig beengt werden.

Dr. E.: Das ist nicht so schlimm, da sie es beliebig erweitern können. Das ist ein recht hübscher Versuch, den ihr vielleicht einmal nachmacht. Man setzt die Tierchen zunächst auf blaues Tuch; dann fertigen sie natürlich ein blaues Gehäuse. Bringt man sie dann auf rotes Tuch, so hat nach einiger Zeit jede sich einen hübschen roten Streifen eingeflickt und so ihre Wohnung erweitert.

Kurt: Die müssen ja dann aussehen wie Soldatenhosen! Aber wie ist es denn nur möglich, daß die Mottenraupen von Tuch oder Federn leben können?

Dr. E.: Für unsereinen wäre das allerdings eine recht mangelhafte Kost. Es müssen eben die Tiere eine ganz andere Fähigkeit der Verdauung haben als wir. Ähnliches sahen wir ja schon bei den Totenkäfern, die sich mit dem Holze hundertjähriger Kommoden begnügen, und schließlich ist diese Erscheinung doch kaum wunderbarer, als wenn ein Pferd monatelang mit Stroh und Häcksel allein seinen Hunger zu stillen vermag.

Fritz: Wenn man so alles zusammennimmt, so kommt doch eine ganz stattliche Zahl von Tieren heraus, die mit uns zusammenwohnen.

Dr. E.: Und doch haben wir bisher nur von den Insekten unter den Gliedertieren gesprochen. Jetzt wären noch die Spinnen, die Tausendfüße und Krebse zu betrachten, sowie ferner die Würmer und die übrigen niederen Tiere.

Hans: Ja, die Hausspinne[110] habe ich neulich auf dem Boden gründlich kennengelernt.

Dr. E.: Das ist nur eine Spinne von vielen. Daneben gibt es den drolligen kleinen Bücherskorpion[111] in alten Folianten, der immer so komisch mit seinen großen Scheren droht und rückwärts laufen kann, vor allem aber die zahlreiche Gesellschaft der Milben[112], die am Käse, im Mehl, an alten Backpflaumen zu finden sind. Selbst von unserm armen Kanarienvogel, unserm Hänschen, würden wir wahrscheinlich verschiedene Arten[113] absuchen können.

Fritz: Aber Krebse, Vater, und Würmer oder noch niedrigere Tiere?

Dr. E.: Selbst die wasserbewohnenden Krebse haben es fertiggebracht, sich in den menschlichen Wohnungen anzusiedeln. Freilich zum Essen würden sie euch wohl nicht recht passen; denn ich spreche von den Kellerasseln.[114] Würmer gibt es zunächst in den Blumentöpfen, und zwar nicht bloß Regenwürmer, sondern weit häufiger die kleinen weißlichen Formen, die man wohl geradezu als Blumentopfwürmer[115] bezeichnet. Wenn Mutter uns ferner etwas alten Essig, etwa von eingemachten Gurken, zur Verfügung stellen wollte, so würden wir sicher darin einen mikroskopischen Wurm, das sogenannte Essigälchen[116], in großen Mengen entdecken, und schließlich sind wir nicht einmal sicher, ob nicht in unserm eignen Körper sich allerlei Eingeweidewürmer auffinden ließen. — In bezug auf die allerniedersten Tiere, die sogenannten Infusorien, sind irgendwelche genaueren Angaben darüber, was in unserm Hause zugegen ist, wohl schwerlich zu machen, da sie nur in der Form von Keimen im Staube der Luft vorhanden sein dürften. Wollen wir sie studieren, so müßten wir erst die günstigen Bedingungen für deren Entwicklung herstellen.