Dr. E.: Du siehst, es kommt oft nur darauf an, daß eine einfache Sache ein bißchen niedlich zurecht gemacht wird, um uns völlig überraschend zu erscheinen. Daß die Wäscheleinen bei feuchter Witterung ganz straff sind, bei trockener hingegen schlaff werden, hast du gewiß hundertmal beobachtet, ohne es weiter auffallend zu finden. Im Grunde genommen aber ist das dieselbe Erscheinung, die dir an den Wetterhäuschen so geheimnisvoll und unerklärlich war. — Doch nun wollen wir hören, was Kurt zu fragen hat.
Kurt: Da wir gerade von dem Wetterhäuschen gesprochen haben, so möchte ich mal nach den merkwürdigen Wetterbildern fragen, die ich neulich im Schaufenster gesehen habe. Es war eine Landschaft, die ursprünglich blau aussieht, bei feuchter Witterung aber immer mehr rot wird, so daß man einfach aus der Farbe des Bildes auf gutes oder schlechtes Wetter schließen kann.
Kobaltsalze. Zündhölzchen
Dr. E.: Auch hier handelt es sich ganz allein um den größern oder geringern Feuchtigkeitsgehalt der Luft, der durch die Bilder angezeigt wird. Die ganze Erscheinung beruht darauf, daß gewisse Stoffe, vor allem die Salze mancher Schwermetalle, an der Luft Feuchtigkeit anziehen und dann eine andere Farbe annehmen, als sie im wasserfreien Zustande haben. Ihr wißt z. B., daß ein Stück Kupfervitriol blau aussieht. Erhitze ich es in einer Schale, so daß das Wasser entweicht, so verwandelt es sich in ein weißes Pulver, das aber sofort wieder blau wird, sowie ich etwas Wasser darauf gieße. Ähnlich verhält es sich mit den Salzen des Eisens, welche den feuchten Lehm gelb färben; wird er gebrannt, so erhalten wir die roten Ziegelsteine. Viel schöner und leichter zeigen solche Farbenveränderungen die Kobaltsalze, welche im trockenen Zustande blau, im feuchten schön rosa aussehen. Sie sind es auch, welche den von dir beobachteten Farbenwechsel der Wetterbilder hervorrufen und auch sonst zu allerlei niedlichen Spielereien benutzt werden.
Kurt: Was läßt sich denn noch weiter damit machen?
Dr. E.: Eine Anwendung kann ich euch gleich einmal vorführen, da ich wohl noch etwas aufgelöstes Kobaltsalz in meinem Schranke habe. — Seht hier die Lösung, die ich einfach dadurch herstellte, daß ich ein Stückchen Kobaltsalz in Wasser tat. Sie sieht schwach rosa aus. Wenn ich nun auf dieses weiße Papier damit etwa den Namen „Kurt“ schreibe, und lasse es ein wenig trocknen, so sind die blassen, fast wie mit reinem Wasser geschriebenen Schriftzüge gar nicht wahrzunehmen. Halte ich nun aber das Papier einen Augenblick über die warme Lampe, so entweicht alle Feuchtigkeit aus dem Kobaltsalz, es wird dadurch tiefblau und die Schrift tritt jetzt, wie ihr seht, deutlich hervor.
Kurt: Ei, das kann man ja als Geheimschrift gebrauchen!
Dr. E.: Freilich, Kurt! Und die schönsten Bilder kann man damit malen, die nach unserm Belieben verschwinden und auch wieder erscheinen. — Nun aber zur zweiten Frage.
Kurt: Kannst du mir denn sagen, Vater, warum man die schwedischen Streichhölzer bloß an der Schachtel anzünden kann und nicht überall, wie die gewöhnlichen?
Dr. E.: Das ist für jeden, der ein wenig von Chemie versteht, leicht zu erklären. Man muß nur wissen, daß es zwei ganz verschiedene Formen des Phosphors gibt, den gewöhnlichen, der an der Luft raucht, sehr giftig ist und sich leicht von selbst entzündet, und den sogenannten roten oder amorphen, der ein unschädliches rotbraunes Pulver darstellt, das erst bei einer Temperatur von über 300 Grad verbrennt, mit chlorsaurem Kali jedoch, dem bekannten Gurgel-Salz, ein leicht entzündliches Gemenge gibt. Die gewöhnlichen Schwefelhölzer enthalten nun vorn in ihrem Köpfchen neben andern Stoffen auch eine Quantität gewöhnlichen Phosphors, dessen Eigenschaften durch Beimengungen, wie Gummi, Bleiverbindungen usw. zwar abgeschwächt, aber nicht aufgehoben sind. Bei jeder durch Reibung hervorgerufenen Temperaturerhöhung fängt daher ein solches Streichhölzchen an zu brennen. Die schwedischen Sicherheitszündhölzer hingegen enthalten in ihrem Köpfchen nicht Phosphor, sondern als wichtigsten Bestandteil chlorsaures Kali, das sich für gewöhnlich nicht durch Reiben entzünden läßt. Werden sie aber an der Reibfläche der Schachtel angestrichen, die zum Teil aus rotem Phosphor besteht, so entflammen sie, weil eben beide Stoffe hierbei zu jenem leicht entzündlichen Gemenge vereinigt werden. — Übrigens gelingt es bei einigen Versuchen auch, die Sicherheitszündhölzchen etwa an einer Glasscheibe oder an andern glatten Flächen zu entzünden, da viele Gemische, die chlorsaures Kali enthalten, schon allein durch ihre starke Reibung entflammt werden. So enthielten beispielsweise die ältesten Reibhölzer, die in den Handel gebracht wurden, gar keinen Phosphor, sondern nur chlorsaures Kali und Schwefelantimon. Sie wurden durch kräftiges Hindurchziehen durch Sandpapier zur Entzündung gebracht.