Fritz: Ich denke mir, das Wasser, das im Innern des nassen Holzes steckt, wird sich durch die Hitze in Dampf verwandeln, und wenn der keinen Ausweg findet, so platzt er eben das Holz auseinander.

Dr. E.: Siehst du, Hans, das ist in der Tat die Ursache für das Knistern des nassen Holzes. Man muß nur wissen, daß jede Flüssigkeit, welche sich in Dampf verwandelt, einen ungeheuer viel größern Raum einzunehmen strebt als vorher, und daß diese Spannung oder dieser Druck, den das eingeengte Gas nun nach allen Richtungen ausübt, ganz gewaltig werden kann. Unsere Dampfmaschinen beruhen ja auf dieser Erscheinung; die Kraft, die sie äußern, ist nichts als das Ausdehnungsbestreben des eingesperrten Wasserdampfes.

Hans: Ach so, das ist die Geschichte von dem zugeschraubten Kochtopf; die hat uns Herr Dr. Müller schon mal klargemacht. Aber ist denn in den Tannenzweigen so viel Wasser?

Dr. E.: Nein. In den Tannenzweigen ist es auch nicht Wasser, das sich in Dampf verwandelt, sondern Terpentinöl, von dem wir ja schon neulich einmal sprachen, als von den Harzen die Rede war. Es verwandelt sich erst bei viel höherer Temperatur in Dampf, als Wasser; dieser Dampf aber ist brennbar und gibt, mit Luft gemischt, wie alle brennbaren Gase ein explosives Gemenge. So können denn unter gewissen Umständen kleine Explosionen durch das Verbrennen eines harzreichen Tannenbaumes zustande kommen.

Kurt: Dann rührt es wohl auch von diesem Terpentinöl her, daß die Nadeln so puffen, wenn sie einem Tannenbaumlichte zu nahe kommen?

Dr. E.: Ja. Das Licht verwandelt zunächst durch seine Hitze das Öl in den Nadeln in Gas. Ist dann die Nadel an einer Stelle durchgebrannt, so strömt das Gas heraus, und zwar mit einer solchen Gewalt, daß die Flamme des Lichtes auf Augenblicke in spitzen Stichflammen nach den Seiten hinausschießt, wie wir das ja noch am letzten Weihnachtsabend beobachtet haben. — Doch nun bin ich neugierig, Hans, was du dir als Frage Nr. 3 ausgedacht hast.

Wetterhäuschen. Wetterbilder

Hans: Als drittes möchte ich wohl wissen, wie eigentlich unser kleines Wetterhäuschen am Fenster eingerichtet ist. Ich dachte immer, das wäre nur ein Scherz, daß bei schlechtem Wetter der Mann mit dem Schirm, bei gutem die Frau herauskäme. Aber ich habe öfter gesehen, daß es wahrhaftig so stimmt. Heute früh z. B., wo es so regnete, war die Frau ganz hineingekrochen und der Mann weit draußen. Solche Holzpuppen können doch aber unmöglich ein Gefühl dafür haben, was für Wetter ist.

Dr. E.: Diese letzte große Wahrheit wird dir wohl niemand bestreiten wollen. Aber auch deine Beobachtung, daß die Wetterfiguren sich so selten irren, ist vollkommen zutreffend, wenn sie auch nicht sowohl das Wetter selbst anzeigen, als vielmehr den Gehalt der Feuchtigkeit, der in der Luft ist, und der allerdings in vielen Fällen einen Schluß darüber erlaubt, ob Regen zu erwarten ist oder nicht. Die innere Einrichtung eines Wetterhäuschens ist nun so einfach wie möglich. Sie besteht der Hauptsache nach aus einer senkrecht hängenden, gewöhnlichen Darmsaite, an deren unterem Ende das Querholz mit den beiden Figuren befestigt ist. Diese Saite hat mit vielen andern Stoffen, z. B. mit den menschlichen Haaren, die Eigenschaft gemein, gegen die Feuchtigkeit der Luft sehr empfindlich zu sein, sie aufzunehmen und sich dabei um sich selbst zu drehen. Bei großer Feuchtigkeit dreht sie sich mehr zusammen, bei trockenem Wetter dreht sie sich etwas auf, ganz ähnlich, wie ich etwa die Strähnen eines Bindfadens durch Drehen lockern oder fester aneinanderlegen kann. Da nun, wie gesagt, das Querhölzchen unten mit der Saite fest verbunden ist, so muß es mit seinen Figuren ihren Drehungen folgen, und es wird daher je nachdem die Frau oder der Mann aus dem Häuschen hervortreten.

Hans: Ach, das hätte ich mir auch wieder viel wunderbarer gedacht!