Kurt: Ja, ich glaube gesehen zu haben, daß die eine Spinne, wie sie gestört wurde, durch das Netz durchkroch und unten heraus kam. Ich wunderte mich noch, wie sie durch das dicke Gewebe durchkonnte.

Dr. E.: Das kann sie auch nicht. Deine Beobachtung war ein wenig flüchtig, sonst würdest du bemerkt haben, daß das Netz nicht ganz wagerecht bis in die Ecke hinein verläuft, sondern dort sich trichterförmig in die Tiefe senkt und sich nach unten öffnet. Dieser Trichter ist der eigentliche Schlupfwinkel der Spinne. Droht ihr von oben Gefahr, so schlüpft sie nach unten durch; kommt aber die Störung von unten, so kann sie nach oben entfliehen. Ihr seht, so ein armes Tierchen sucht sich zu sichern, so gut es kann. Dabei ist unsere Hausspinne noch gar nicht einmal eine besonders hervorragende Baumeisterin, sondern viele ihrer Verwandten sind ihr in dieser Kunst weit überlegen.

Fritz: Ja, das Netz der Kreuzspinne[2] scheint mir z. B. viel kunstvoller und ist wohl auch zum Fang der Tiere besser geeignet.

Hans: Ach, das sind wohl diese großen radförmigen Gewebe, die manchmal zwischen zwei Bäumen hängen und fast aussehen, wie eine Scheibe mit ihren Ringen? In der Mitte sitzt dann meist eine große dicke Spinne mit weißem Kreuz auf dem Rücken.

Dr. E.: Ganz recht, das sind die Fangnetze der Kreuzspinne. Auch ich muß zugeben, daß sie mit zu den schönsten gehören, die ich kenne.

Kurt: Ich habe schon öfter darüber nachgedacht, wie sie wohl so etwas zustande bringen.

Dr. E.: Nun, woher der Stoff kommt, aus dem das Netz angefertigt ist, wißt ihr ja wohl.

Fritz: Natürlich! Die Spinnen haben in ihrem Hinterleib Drüsen, aus denen die Fäden gebildet werden.

Dr. E.: Das ist wohl etwas unklar ausgedrückt. Allerdings besitzen die Spinnen in ihrem dicken Hinterleib Drüsen. Was aber in diesen gebildet wird, ist nichts als eine klebrige Flüssigkeit, die sich dann allerdings, ähnlich wie unser Speichel, zu langen Fäden ausziehen läßt. Kannst du mir denn auch sagen, Fritz, wodurch dieses Fadenziehen des flüssigen Spinnstoffes herbeigeführt wird?

Fritz: Ich denke, ja. Am Ende des Hinterleibs sitzt eine Anzahl von Höckern, die sogenannten Spinnwarzen, und auf diesen befinden sich an den Enden zarter Röhrchen die Mündungen der Drüsen. Aus ihnen wird der flüssige Spinnstoff herausgepreßt und muß so Fäden bilden.