Dr. E.: Richtig, und unter diesen natürlich auch das überall verbreitete Kochsalz, das auf diese Weise in die Bäche und Flüsse gerät.
Fritz: Da aber alle Flüsse zuletzt ins Meer münden, so werden demselben fortwährend die gelösten Kochsalzmengen zugeführt. Das ist ja nicht schwer zu begreifen. Aber dabei handelt es sich doch immer nur um eine ganz schwache Lösung!
Dr. E.: Das wird niemand in Abrede stellen. Wenn du jetzt nur ein klein wenig nachdenken wolltest, würdest du die Lösung des Rätsels schon finden können! Überlege doch noch einmal alles, was wir eben festgestellt haben. Denke auch daran, daß die Menge des Wassers im Meere trotz aller Zuflüsse immer die gleiche bleibt, da annähernd ebensoviel verdampft wie zufließt.
Fritz: Also aus dem Meere steigt fortwährend Wasserdampf auf, der zu reinem Wasser wird; dieses fällt auf die Erde, nimmt Salz auf und fließt dann wieder ins Meer — —
Kurt: O, ich hab’s. Die Salzmenge im Meer wird immer größer, weil die Flüsse immer neues hinzubringen, die Wassermenge aber wird nicht größer, weil soviel in die Wolken geht. Folglich muß das Meer immer salziger werden.
Dr. E.: Nun, es scheint, als wenn du die Sache ahnst; klar ausgedrückt aber hast du sie nicht. Am einfachsten wäre es wohl, wenn wir uns das Meer als ein Glas Wasser vorstellen, das fast bis zum Rande gefüllt ist. Wenn wir nun in dieses Glas unausgesetzt Salz hineintun, wenn auch in noch so winzigen Mengen, ohne die Menge des Wassers selbst zu vermehren, so ist selbstverständlich, daß die Masse des Salzes im Verhältnis zum Wasser mehr und mehr zunimmt. Gerade so ist es im Meer. Der Zufluß des Wassers der Flüsse ist nur eine scheinbare Vermehrung des Meerwassers, da ebensoviel in die Luft verdampft; der Zufluß an Kochsalz ins Meer ist aber eine wirkliche Vermehrung, da dasselbe nicht wieder mit dem Wasserdampf in die Wolken geht. Wir können daher den Kreislauf des Wassers ganz außer acht lassen und uns die Sache einfach so vorstellen, als wenn eben nur kleine Mengen Kochsalz ohne Unterlaß in das Meer eingeführt würden. Auf diese Weise hat das Meer im Laufe der Jahrtausende fortgesetzt eine „Anreicherung“ an Kochsalz erfahren und mußte dadurch soviel salziger werden als die Flüsse, welche es ihm zuführen.
Kurt: Aber wenn das so weitergeht, so wird ja schließlich das Meer aus lauter Kochsalz bestehen!
Dr. E.: O nein, mein Junge. Es ist schon dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen! Zunächst kann das Wasser nicht beliebig viel Salz auflösen, wie du wohl glaubst. Es geht ihm ähnlich wie dem Menschen, der auch nur essen kann, bis er gründlich gesättigt ist. Wenn ich in einem Liter Wasser, das bekanntlich ein Gewicht von 1000 Gramm oder einem Kilogramm hat, etwa 350 Gramm Kochsalz aufgelöst habe, also ziemlich ein Drittel seines Gewichts, so ist das Wasser gewissermaßen satt. Ich kann tun, was ich will, alles Salz, was ich nun noch hineinschütte, fällt einfach zu Boden, als wenn das Salz der unlöslichste Körper von der Welt wäre. Man sagt dann: das Wasser ist gesättigt, oder wir haben eine gesättigte Kochsalzlösung. Weiter könnte es also auch mit dem Meere niemals kommen; es könnte eine gesättigte Kochsalzlösung werden mit 350 Gramm Salz auf 1000 Gramm Wasser; alles weitere Salz aber müßte zu Boden fallen.
Gesättigte Lösung
Fritz: Und ist denn das Meer bald so weit, daß es eine gesättigte Lösung darstellt?