Dr. E.: Keineswegs. Die heutigen Meere enthalten durchschnittlich auf 1000 Gramm Wasser nicht 350, sondern nur 35 Gramm Kochsalz, so daß sie also noch zehnmal mehr aufnehmen könnten, ehe sie gesättigt wären. Und sehr viel weiter als jetzt werden sie mit ihrem Salzgehalt auch wohl schwerlich kommen.

Kurt: Warum denn nicht?

Dr. E.: Ich meine, wenn die Quellen schon viele Millionen Jahre das Kochsalz, das sich in der Erde findet, aufgelöst und dem Meere zugeführt haben, so kann das, was noch übrig ist, nicht so schrecklich viel sein, daß dadurch die ungeheure Wassermenge des Ozeans um ein Beträchtliches salziger würde.

Fritz: Aber ich denke, da sind doch noch die großen Steinsalzlager in der Erde, die aufgelöst werden können?

Dr. E.: Diese sind im allgemeinen durch Ton und andere Schichten, welche das Wasser nicht durchsickern lassen, vor dem Aufgelöstwerden geschützt, sonst wären sie eben schon längst verschwunden. Auch liegen die meisten so tief unter der Erde, daß das in den Erdboden dringende Regenwasser sie nicht mehr erreichen kann.

Kurt: Weiß man denn, wie diese Steinsalzlager entstanden sind?

Dr. E.: Freilich, Kurt; das ist kein großes Geheimnis. Wir haben bisher nur immer von dem allgemeinen Weltmeer gesprochen, dessen Wasser noch lange nicht mit Kochsalz gesättigt ist und auch nie gesättigt werden wird. Ganz anders aber können sich die Verhältnisse gestalten, wenn es sich um kleinere, vollkommen abgeschlossene Meere handelt, wie etwa das Kaspische Meer, das Tote Meer u. a. Diese liegen, wie ihr wißt, in heißen und ziemlich regenlosen Gegenden. Die Verdampfung ihres Wassers ist also groß, der Zufluß an Wasser durch die Bäche und Flüsse aber so gering, daß er die Menge des verdampfenden Wassers nicht ersetzen kann. Was wird hiervon die Folge sein?

Fritz: Ein solches Binnenmeer muß natürlich immer kleiner werden.

Dr. E.: Das ist sicher die erste Folge. Nehmen wir nun an, dieses Meer habe anfangs auch einen Salzgehalt gehabt, wie das Weltmeer, also 35 Gramm Kochsalz auf 1000 Gramm Wasser, so ist klar, daß nach einiger Zeit, wenn ein Teil des Wassers verdampft und nicht durch genügenden Zufluß ersetzt ist, auf 35 Gramm Kochsalz nicht mehr 1000 Gramm Wasser, sondern nur noch etwa 800, wieder nach einiger Zeit nur 500 Gramm Wasser kommen werden, und dies wird so fortgehen, bis für je 35 Gramm Kochsalz nur noch je 100 Gramm Wasser vorhanden sind, d. h. bis der Sättigungspunkt des Wassers erreicht ist. Ein solches Binnenmeer, in welchem der Sättigungspunkt des Wassers nicht nur erreicht, sondern sogar schon überschritten wurde, ist beispielsweise das Tote Meer. Es führt bekanntlich seinen Namen daher, daß kein Fisch, ja überhaupt kein lebendes Wesen in dieser gesättigten Kochsalzlösung existieren kann.

Entstehung der Steinsalzlager. Salzgärten