Kurt: Was geschieht denn aber nun, wenn das Wasser noch mehr abnimmt?

Dr. E.: Wenn du dir das nicht denken kannst, so könnten wir es ja einmal ausprobieren. Wir stellen uns zunächst eine gesättigte Kochsalzlösung her, indem wir 350 Gramm Salz in einem Liter Wasser auflösen. Diese Lösung gießen wir dann in eine flache Schale, welche das Tote Meer darstellt, und warten nun ab, was geschehen wird, wenn ein Teil des Wassers verdampft ist. Ich denke, am nächsten Sonntag werden wir schon etwas daran sehen können.

Fritz: Das kann man sich doch auch so vorstellen, was dann geschehen wird: Wenn nicht mehr genug Wasser da ist, um alles Kochsalz aufzulösen, so muß voraussichtlich ein Teil zu Boden fallen, ganz so, als wenn wir gleich anfangs zu viel Salz ins Wasser geworfen hätten.

Dr. E.: Nun, wir werden das ja am nächsten Sonntag feststellen. Im allgemeinen aber hast du recht. Ein Teil des Salzes fällt zu Boden und bildet hier eine Kruste, die natürlich immer dicker wird, je mehr das Wasser abnimmt. Schließlich kann, beim Versiegen aller Zuflüsse in der heißen Jahreszeit, auch der letzte Rest des Wassers verdampfen, und wir haben es dann mit ausgedehnten Salzkrusten auf dem trockenen Erdboden zu tun, wie solche als Wüsten- oder Steppensalz in den heißen Ländern vielfach bekannt sind. Auch das Tote Meer hat auf seinem Grunde sicher schon eine beträchtliche Kruste von Salz abgelagert, wie aus gewissen Beobachtungen zu schließen ist. Da aber hier die Zuflüsse, die Sand und Schlamm mit sich führen, nicht völlig fehlen, so leuchtet ein, daß neben dem Salz auch Sand, Ton und Schlick auf dem Grunde sich absetzen werden. Wenn ihr nun bedenkt, daß diese Zuflüsse zur Regenzeit viel Wasser und Schlamm bringen, im Sommer aber fast oder ganz austrocknen und das unter der Sonnenglut verdunstende Meerwasser nicht ergänzen können, so folgt daraus, daß immer abwechselnd Tonschlamm während der Regenzeit und Salz während der trockenen Jahreszeit am Boden sich niederschlagen werden. Dies wird durch Jahrtausende sich so lange wiederholen, bis schließlich, wenn aus irgendeinem Grunde die Zuflüsse mehr und mehr versiegen, das Tote Meer eines Tages völlig ausgetrocknet ist. Ihr seht ein, daß dann die ältesten Salzschichten vielleicht schon viele Hundert Meter unter Schlamm, Erde und Ton begraben liegen, d. h. also so tief, daß das gewöhnliche Regenwasser, das nun aus den oberen Schichten das Salz allmählich wieder auflöst und fortführt, sie lange nicht mehr erreichen kann. Bohrt dann nach vielleicht abermals vielen Jahrtausenden an der Stelle des ehemaligen Meeres der Mensch ein Loch in die Tiefe, so stößt er nach Durchdringung dicker Ton-, Gips- und Sandlagen schließlich auf Schichten, die aus reinem Salz bestehen, und man sagt: Es ist ein Steinsalzlager erbohrt worden.

Fritz: Dacht’ ich mir’s doch, daß du uns schildern wolltest, wie ein Steinsalzlager entsteht. — Solche Lager kommen dann wohl nur in heißen Gegenden vor?

Dr. E.: Nicht doch, Fritz. Wir haben davon auch in Deutschland eine ganze Menge, die zum Teil sehr umfangreich und mächtig sind. Am berühmtesten sind die von Sperenberg bei Berlin und von Staßfurt bei Magdeburg, wo eine reine Salzschicht von mehreren Hundert Meter Dicke gefunden wurde.

Fritz: Wird denn aus dem Meer auch Salz gewonnen?

Dr. E.: O ja, in ziemlich großer Menge, wenn auch nicht gerade in Deutschland.

Kurt: Warum denn nicht bei uns?

Dr. E.: Erstens haben wir schon Steinsalz genug, und zweitens ist bei uns zu viel Regen und zu wenig Sonnenschein.