Kurt: Sieh, das ist innen eine hohle Röhre, die am Blütenstiel entlang läuft, und Saft ist darin.
Dr. E.: Gewiß, und diesen Saft nennt man Blütenhonig oder Nektar. Ich meine, den habt ihr schon oft genug in anderen Blüten, namentlich in solchen mit Sporn, beobachten können. Jenes mit dem Blütenstiel verwachsene Röhrchen ist also nichts als ein Honigbehälter, und das Eigenartige liegt eben nur in dieser Verschmelzung mit dem Blütenstiel. Im gesamten Pflanzenreiche kommt etwas Ähnliches nicht wieder vor. — Übrigens ließe sich zwischen Geranium und Pelargonium auch noch ein Unterschied in der Frucht anführen. Ihr wißt doch, wie die Früchte der Storchschnabelgewächse gebaut sind?
Kurt: O ja. Wir haben den Storchschnabel diesen Sommer durchgenommen. Es sind am Grunde fünf einsamige, länglich eiförmige Fächer, die sich zur Reifezeit von unten her ablösen, und deren jedes noch eine Zeitlang mit einem langen Schnabel an dem dünnen Säulchen in der Mitte hängen bleibt. Das Ganze sieht dann fast aus wie ein Kronleuchter.
Dr. E.: Ganz recht. Weißt du auch, warum sich die Frucht in fünf solche Teilfrüchte auflöst?
Kurt: Ich denke, dann können sie leichter zu Boden fallen.
Dr. E.: Das würde doch wohl genau so gut erreicht werden, wenn die Frucht als Ganzes abfiele, etwa wie ein Apfel oder eine Eichel. — Was sollen denn die Früchte am Boden?
Kurt: Aber da sind ja doch die Samen drin und in den Samen die jungen Pflänzchen, die in der Erde keimen müssen.
Dr. E.: Woher weißt du denn, daß in den Samen junge Pflänzchen sind? Ich meine, wenn ihr einen Mandelkern oder eine Eichel oder eine Walnuß aufschneidet, so findet ihr darin eine weiße, oft sehr wohlschmeckende Masse; eine junge Pflanze habt ihr aber doch wohl noch nicht darin gesehen?
Keimpflanzen. Notwendigkeit des Wanderns der Pflanze
Fritz: Ja, aber wenn ich den Samen, also eine Eichel oder Bohne in die Erde stecke, so keimt sie doch, und es kommt ein junges Pflänzchen heraus. Diesen Keimversuch haben wir mit Bohnen immer in der Schule gemacht. Es zeigt sich dann auch, daß das, was wir essen, der sogenannte Kern der Mandel oder der Nuß, eigentlich weiter nichts ist als zwei dicke, fleischige, weiße Keimblätter, die beim Keimen bald mit aus der Erde kommen und dann grün werden.