Dr. E.: Nun also! Wenn einer überhaupt keine Augenlider hat, dann soll er das Augenzumachen wohl bleiben lassen.
Hans: Aber ist denn das nicht schrecklich für so einen Fisch, daß er immer alles sehen muß, auch wenn er noch so müde ist?
Dr. E.: Es wäre doch noch die Frage, ob die offenen Augen wirklich immer sehen müssen. Unsere Ohren können wir ja auch nicht zuklappen und doch hören wir im Schlafe vieles nicht, was sonst unsere Aufmerksamkeit erregen würde. Es handelt sich eben nur darum, ob die äußern Eindrücke auch wirklich in unserm Gehirn zum Bewußtsein gelangen. Selbst wachende Menschen können, wenn sie mit andern Gedanken beschäftigt sind, einen Gegenstand anstarren, ohne ihn wirklich zu bemerken. — Übrigens sind ja auch viele andere Tiere, z. B. die Schlangen, nicht imstande, ihre Augen zu schließen; es muß sich also auch mit offenen Augen ganz gut schlafen lassen.
Fritz: Aber die Fische legen sich ja nicht einmal hin, wenn sie ausruhen wollen. Von einer ordentlichen Erholung kann doch da gar nicht die Rede sein.
Dr. E.: Zunächst darfst du von unserm Goldfisch in seinem Glase nicht so ohne weiteres auf die übrigen Fische schließen, die in der freien Natur leben. Bei manchen von diesen hat man tatsächlich beobachtet, daß sie in ihren Verstecken beim Schlafen mit dem Bauche den Boden berühren, oder, wie die Rochen und Schollen, sich geradezu in den Sand einwühlen. Andererseits scheinst du gar nicht daran zu denken, daß der Fisch, wenn er ruhig im Wasser steht, in bezug auf die aufzuwendende Kraft ganz und gar nicht mit einem auf seinen vier Beinen stehenden Landtier zu vergleichen ist.
Kurt: Und warum denn nicht? Wir haben doch in der Schule gelernt, daß die Brust- und Bauchflossen der Fische dasselbe sind, wie die Beine der vierfüßigen Tiere. Folglich steht er doch gewissermaßen auch auf seinen vier Beinen.
Dr. E.: O nein, das tut er keineswegs. Diese Flossen dienen höchstens dazu, ihn am Umfallen zu verhindern, etwa wie die sogenannten „Schwerter“ an den Seiten kleinerer Küstenfahrzeuge. Von einem Tragen der Körperlast aber, wie es unsern Beinen zugemutet wird, ist doch wahrlich nicht die Rede, denn das wird eben durch das Wasser selbst besorgt.
Kurt: Aber der Fisch hat doch sein Gewicht!
Dr. E.: Selbstverständlich hat er das. Fritz wird dir indes erzählen können, daß jeder Körper im Wasser so viel an Gewicht verliert, als das Wasser wiegt, welches er verdrängt. Da nun ein Fisch im allgemeinen gerade so schwer ist, wie eine gleichgroße Wassermasse, so wird sein Gewicht gewissermaßen aufgehoben. Er schwebt im Wasser, ohne seine Muskeln auch nur im geringsten anzustrengen.
Fritz: Das wundert mich, daß Kurt nicht darauf gekommen ist. Wir haben ja erst vor wenigen Wochen über den sogenannten Auftrieb bei der Entstehung der Eisberge gesprochen. — Aber ist es denn so ganz gleichgültig, in welcher Tiefe des Wassers der Fisch schwebt? Es scheint doch sicher, daß er am Grunde einem viel größeren Drucke durch die darüberliegende Wasserschicht ausgesetzt ist, als nahe der Oberfläche.