Wasser- und Luftdruck. Tiefenfische

Dr. E.: Das Wasser kann durch Druck nur ganz unmerklich zusammengepreßt oder dichter gemacht werden; ein Kubikmeter Wasser vom Grunde ist daher kaum schwerer, als ein solcher nahe der Oberfläche. Wo also auch der Fisch sich befinden mag, er wird überall annähernd dasselbe Gewicht haben, wie das verdrängte Wasser und somit schweben; in dieser Hinsicht verhält er sich eben ganz wie irgendein „Stück Wasser“ selbst, das ich mir etwa an Stelle des Fisches denke. Anders freilich ist es mit dem Druck, der auf ihm lastet, und der um so größer wird, je tiefer er hinabsteigt.

Kurt: Aber ist denn das so schlimm mit dem Druck des Wassers, wenn man in die Tiefe taucht?

Dr. E.: Man sieht, daß du im Taucherhandwerk noch nicht allzu erfahren bist, Kurt. Du würdest sonst wissen, daß selbst der stärkste Mann nicht tiefer als höchstens etwa 50 Meter zu tauchen vermag. Bei 10 Meter Tiefe erleidet unser Körper auf jeden Quadratzentimeter seiner Oberfläche schon einen Druck von mehr als einem Kilogramm. Das ergibt auf die Gesamtoberfläche eines erwachsenen Mannes ein recht anständiges Gewicht, sagen wir etwa 15000-20000 Kilogramm. Bei weiteren 10 Metern hat sich dieses Gewicht verdoppelt, und bei 50 Metern wird es eben für den menschlichen Körper unerträglich.

Fritz: Dann muß das aber doch mit den Fischen ganz ebenso sein!

Dr. E.: In gewissem Sinne ja. Es ist auch ganz sicher, daß ein bestimmter Fisch nicht in jeder beliebigen Tiefe leben kann. In unsern seichten Flüssen und Seen sind ja die Druckunterschiede im Wasser nicht so groß, daß nicht ein und derselbe Fisch bald oben, bald unten sich aufhalten könnte. Im Meere aber und schon in tiefen Binnengewässern, wie in den Schweizer Seen, sind die einen Arten mehr auf die Oberfläche, die andern mehr auf den Grund des Wassers angewiesen.

Fritz: Ich denke, in der Tiefe ist ein so großer Wasserdruck, daß sie zerquetscht werden müssen?

Dr. E.: Es ist nicht der Druck an sich, welcher für uns das Leben in größerer Tiefe unmöglich macht, sondern der einseitige Druck auf unsern Körper, dem die inneren Gewebe nicht den nötigen Gegendruck entgegensetzen können. Die Sache wird euch klar werden, wenn ich daran erinnere, daß wir ja streng genommen auch am Boden eines Meeres leben, nämlich des über 10 Meilen tiefen oder, wenn ihr wollt, hohen Luftmeeres. Dieses Luftmeer übt auf unsern Körper einen ganz ansehnlichen Druck aus, nämlich denselben, wie eine 10 Meter hohe Wasserschicht. Allein wir merken nichts davon, weil alle Gase und Flüssigkeiten unseres Innern auf diesen Druck gewissermaßen abgestimmt sind und ihm das Gegengewicht halten. Erst wenn wir einen hohen Berg besteigen oder mit dem Luftballon in höhere Luftschichten fahren, wo der Luftdruck geringer ist als unten auf der Erde, wird das Gleichgewicht gestört, und unser Blut, das nicht mehr den gewohnten Gegendruck findet, sucht gewaltsam die Adern zu sprengen.

Fritz: Ach, nun verstehe ich. Es ist also ein solcher Tiefenfisch mit seinem Blute für den stärkeren Druck des Wassers auch gewissermaßen abgestimmt, und es ergeht ihm ähnlich wie uns im Luftballon, wenn er sich einmal in höhere Wasserschichten verirrt.

Dr. E.: Ganz, wie du sagst. Verirren freilich wird sich der Tiefenfisch wohl schwerlich; er kann aber z. B. durch Netz oder Angel emporgerissen werden, und so hat man denn namentlich am Bodensee beobachtet, daß die armen Tiere mit dick aufgetriebenem oder gar zerplatztem Bauche an die Oberfläche kamen.