Dr. E.: Bravo, mein Hansel. Da hast du einmal mehr gesehen, als deine älteren Brüder. Ein Faden ist das allerdings nicht, sondern ein dünnes Rohr, das von der Schwimmblase in den Schlund führt.

Fritz: Und warum ist dieses Rohr so wichtig?

Dr. E.: Weil es uns den Vergleich nahelegt mit einem Rohr, das auch bei uns in den Schlund führt, und zwar aus den Lungen, deren Luft es in die Mundhöhle zu leiten hat.

Fritz: Das wäre ja unsere Luftröhre!

Dr. E.: Allerdings. Mit dieser muß dies feine Fadenrohr der Schwimmblase verglichen werden, zumal es wohl sicher ist, daß dasselbe ebenfalls zum Austreten von Luft aus der Schwimmblase dienen kann.

Kurt: Aber die Lunge selbst sieht doch ganz anders aus als die Schwimmblase. Sie dient ja auch zum Atmen, die Schwimmblase hingegen zum Auf- und Niedersteigen!

Dr. E.: Mit dem verschiedenen Aussehen ist es nicht so weit her, wenn du nicht die Lungen eines Säugetieres, sondern etwa die eines Frosches mit der Schwimmblase vergleichst. Vorhin hat Fritz schon gesagt, daß die Oberfläche der Schwimmblase mit feinen Äderchen übersponnen ist. Wenn ihr euch nun vorstellt, daß die äußere Wand der Blase Falten in dem Innenraum bildete, die sich etwa bis zu einem System dünner Scheidewände im Innern entwickelten, und daß die Blutäderchen der Oberfläche sich auch auf diese Scheidewände im Innern fortsetzten, so hättet ihr ein ziemlich getreues Bild einer Froschlunge. Durch das dünne Luftrohr könnte dann die äußere Luft in dieses System von Kammern eindringen und würde nun an die in deren Wänden verlaufenden Blutgefäße ihren Sauerstoff abgeben. Mit andern Worten: Aus dem einfachen Luftbehälter der Fische wäre durch eine verhältnismäßig geringe Weiterentwicklung der Wände und ihrer Blutgefäße ein Atmungsorgan geworden.

Fritz: Das klingt ja alles sehr schön, Vater; aber daß sich eine solche Umwandlung nun wirklich vollzogen hat, scheint mir doch wenig wahrscheinlich.

Dr. E.: Nun, du ungläubiger Thomas, dann will ich dir noch etwas Weiteres erzählen, was deine Zweifel am Ende zerstreuen wird. Es gibt tatsächlich noch heute Fische[13], und zwar in Afrika sowohl wie in Südamerika und Australien, welche für gewöhnlich, d. h. solange sie frei im Wasser schwimmen, durch Kiemen atmen, wie die andern Fische. Zur regenlosen Jahreszeit aber, wenn die Sümpfe, in denen sie hausen, ausgetrocknet sind, leben diese sogenannten „Lungenfische“ monatelang in einer trockenen Schlammkugel und atmen nun mit ihrer Schwimmblase ganz so, wie ich es vorhin als möglich geschildert habe.

Kurt: Dann werden Fritz und ich nun wohl stillschweigen müssen. — Aber du hast eben die Kiemen erwähnt, und von diesen ist es doch wohl sicher, daß sie ganz allein bei den Fischen auftreten. Oder willst du mir am Ende auch Kiemen zuschreiben?