Kurt: Ich weiß nicht recht; aber ich glaube, die Fische haben gar keine Ohren, denn sie sind ja auch alle stumm und brauchen folglich gar nicht zu hören.
Dr. E.: Das sind fast ebensoviel Unrichtigkeiten wie Worte, lieber Kurt. Selbst wenn es wahr wäre, daß alle Fische stumm sind, so würde daraus doch noch keineswegs folgen, daß sie nun überhaupt nicht zu hören brauchten. Der Gehörsinn ist denn doch ein zu wichtiges Mittel, sich in der Welt zurechtzufinden und Gefahren zu vermeiden, als daß wir bei so hoch entwickelten Tieren ein völliges Fehlen desselben annehmen dürften.
Kurt: Aber kann man denn im Wasser überhaupt hören?
Dr. E.: Gewiß kann man das. Ganz ähnlich wie in der Luft, pflanzen sich die Schallwellen im Wasser und in festen Körpern fort. Ja, der Schall wird in diesen Stoffen noch ungleich leichter und vollkommener fortgeleitet, als in der Luft. Ein Taucher am Grunde des Wassers hört jedes Wort, das am Ufer gesprochen wird, und das leiseste Kratzen am Ende eines langen Balkens kann man deutlich am andern Ende wahrnehmen.
Kurt: Dann wundert es mich aber, daß die Fische alle stumm sind.
Dr. E.: Das ist auch gar nicht der Fall. Freilich, Nachtigallen gibt es unter den Fischen gerade nicht; denn ihnen fehlt ja der Kehlkopf, durch den die Stimme der Landtiere erzeugt wird. Aber Töne können doch manche von ihnen hervorbringen. Schon unsere einheimischen Fischer wissen in dieser Hinsicht allerlei vom Schlammpeitzger[15], vom Seeskorpion[16], vom Knurrhahn[17] und anderen Fischen zu erzählen; am berühmtesten aber von allen ist wohl der sogenannte Trommelfisch[18] der amerikanischen Ostküste, dessen Musik den ankernden Schiffern in stillen Nächten oft wie ein fernes Trommelkonzert aus der Tiefe des Meeres zu Gehör kommt.
Fritz: Und weiß man, wie sie das machen?
Dr. E.: Es ist sehr viel darüber gesagt und geschrieben worden. Schon Aristoteles, der nicht weniger als sechs tonbegabte Fische namhaft macht, hat sich darüber geäußert. Bald scheint es sich um ein Reiben verschiedener Körperteile gegeneinander, bald um schnelle Schwingungen gespannter Muskelfasern oder endlich um das Ausstoßen von Luft zu handeln. Jedenfalls sind die Einrichtungen recht verschieden und im einzelnen noch wenig erforscht.
Kurt: Hat man denn schon sicher beobachtet, daß die Fische hören können?
Ohren der Fische. Töne. Sinnesorgane