Dr. E.: Ich denke, ja. Wenigstens wird erzählt, daß man sie daran gewöhnen kann, etwa auf ein Glockenzeichen zur Fütterung zu kommen. Außerdem wäre es doch töricht, die Fähigkeit des Hörens bei Tieren leugnen zu wollen, deren Ohren ganz gut entwickelt sind.

Kurt: Aber man sieht doch nichts davon.

Dr. E.: Nein; ein sogenanntes äußeres Ohr, wie unsere Ohrmuschel, ist auch nie vorhanden, ja selbst ein Trommelfell, wie es die Eidechsen und Frösche haben, fehlt vollständig. Aber da die Schallwellen nicht durch die Luft, sondern durch das Wasser an den Fisch gelangen, so sind derlei Einrichtungen auch gar nicht nötig. Das Gehörorgan liegt bei den Fischen ganz im Innern der Kopfknochen verborgen, und diese pflanzen die Schallwellen des Wassers ebenso auf die Gehörhärchen fort, wie der lange Balken dies tut, von dem ich vorhin sprach. Die physikalischen Verhältnisse im Wasser sind eben andere, als in der Luft, und folglich müssen auch die Sinnesorgane entsprechend anders gebaut sein.

Fritz: Ja, mit den Augen ist es doch ebenso. Die Linse, die bei den Lufttieren verhältnismäßig flach ist, sieht bei den Fischen wie eine Kugel aus, weil die Brechungsverhältnisse des Lichtes für Luft und Wasser so ganz verschieden sind.

Kurt: Das verstehe ich nicht.

Dr. E.: Ist auch noch nicht nötig. Fritz wollte bloß ein wenig mit seiner neuen Gelehrsamkeit aus der Physikstunde glänzen. Recht hat er aber damit, daß die kugelige Form der Augenlinse — ihr habt sie doch wohl schon beim Karpfenessen wie ein rundes weißes Pfefferkorn gesehen — mit dem Leben im Wasser zusammenhängt.

Kurt: Sind denn die andern Sinne, ich meine z. B. der Geruch und der Geschmack, auch für das Leben im Wasser eingerichtet?

Dr. E.: Darüber weiß man leider herzlich wenig, zumal es oft schwer zu sagen ist, ob etwas durch den Geruch oder durch den Geschmack wahrgenommen wird.

Fritz: Wieso denn? Ich weiß doch ganz genau, was an einem Apfel riecht und was an ihm schmeckt.

Dr. E.: Du glaubst es wenigstens zu wissen. Zahlreiche Versuche aber haben ergeben, daß man sich gründlich dabei irren kann. Ist es doch z. B. eine bekannte Tatsache, daß man bei zugehaltener Nase nicht unterscheiden kann, ob man einen Apfel oder eine Zwiebel verspeist.