Fritz: Aber kann man denn nicht oft noch Stamm, Zweige und Blätter ganz deutlich erkennen?

Dr. E.: Nein, das ist nur in seltenen Ausnahmen der Fall. Wohl findet man häufig genug die Abdrücke von Zweigen und Blättern zwischen den Schichten; die Steinkohle selbst aber zeigt kaum noch Spuren des pflanzlichen Baues, und beim Anthrazit, einer andern Kohlenart, sind auch diese verschwunden.

Fritz: Wie ist denn das nur möglich gewesen, daß Pflanzen sich so ganz in steinartige Massen verwandeln konnten?

Dr. E.: Das ist nicht so leicht zu beantworten. Zunächst müßten wir uns mit der Zusammensetzung des Holzes und deren Änderung durch äußere Einflüsse beschäftigen; dazu aber bedarf es chemischer Kenntnisse, von denen ihr noch keine Ahnung habt.

Fritz: Ach bitte, Vater, versuche es doch mal. Ich werde es schon verstehen, und schaden kann es ja dem Kurt auch nicht.

Dr. E.: Nun, dann wollen wir mal sehen, wie weit wir kommen. Also zunächst die wichtige Frage: Aus welchen Stoffen besteht ein Stück Holz?

Fritz: Das weiß ich nicht; aber Kohlenstoff ist drin, da man das Holz verkohlen kann. Kohle ist überhaupt ein Bestandteil aller lebenden Körper, wie wir in der Schule gelernt haben; ebenso Sauerstoff und Wasserstoff.

Dr. E.: Damit bin ich schon zufrieden. Für Kurt will ich nur bemerken, daß Kohlenstoff ein fester schwarzer Körper ist — denkt euch etwa Lampenruß —, und daß Sauerstoff und Wasserstoff dieselben zwei gasförmigen Stoffe sind, die das Wasser zusammensetzen. Aus diesen drei Stoffen oder Elementen ist auch der Holzstoff aufgebaut, den man wissenschaftlich in der Regel mit dem Namen „Zellulose“ bezeichnet. Außerdem steckt im Holz jedoch noch etwas anderes, was man kaum darin erwarten sollte, nämlich eine Menge Mineralstoffe, wie Kieselsäure, Kalk, Kali usw.

Kurt: Und die kann man wirklich im Holze nachweisen?

Dr. E.: O, die Sache ist sehr einfach. Es gibt ein sehr bequemes Mittel, dieselben von der Zellulose oder dem Holzstoff zu trennen. Dieser nämlich ist brennbar, während die Mineralstoffe unverbrennlich sind. Daraus ergibt sich das einzuschlagende Verfahren ganz von selbst.