Dr. E.: Nicht mehr und nicht weniger als irgendein beliebiges anderes Insekt.
Fritz: Nun, dann verstehe ich dich nicht. Ich dachte immer, diese Tiere, und namentlich solche gemeinen wie die Stubenfliege, seien schon so oft untersucht und beschrieben worden, daß gar nichts Neues mehr an ihnen zu entdecken sei. Man kennt doch gewiß ihre Lebensgeschichte ganz genau, weiß, wo sie ihre Eier ablegen, wie die Maden und Puppen aussehen, was die Fliegen fressen, wie lange sie leben und was sonst etwa noch Bemerkenswertes an ihnen zu finden ist.
Dr. E.: O ja, das weiß man, das ist in jedem Zoologiebuche zu lesen.
Fritz: Nun also —?
Dr. E.: Also schließe ich aus dem, was mein Sohn Fritz soeben gesagt hat, daß er noch genau so oberflächlich denkt wie die meisten andern Menschen, die nichts empfinden, wenn sie die Wunderwerke der Natur vor Augen haben. — Sieh, Fritz, wenn es einem Mechaniker gelingt, das ganze kunstvolle Getriebe einer Taschenuhr in den kleinen Raum einer Erbse zusammenzudrängen, so staunt alle Welt und fragt, wie es nur möglich war, so winzige Rädchen und Federchen herzustellen. Wenn aber ein unendlich kunstvolleres Getriebe, das selbständig sich nährt und wächst, das sich frei bewegt, sieht und hört, wenn, sage ich, ein solches Ding von vielleicht noch viel geringerer Größe als eine Erbse tagtäglich als lebendiger Beweis von dem über alle menschliche Kraft so unendlich erhabenen Schaffen der Natur in unserem Zimmer herumfliegt, dann findet die Menge ganz und gar nichts Außerordentliches dabei. Da hat sie alles Gefühl dafür verloren, wie groß die Fülle der Rätsel ist, die in diesem winzigen Geschöpfe der Lösung harren.
Fritz: Ja, wenn du so willst — das ist natürlich was anderes. Aber ich denke, das eigentliche Leben, ich meine den letzten, tiefsten Grund des Lebens, wird der Mensch ja doch nie völlig enträtseln können.
Dr. E.: Davon spreche ich auch gar nicht. Ich denke tatsächlich nur an solche Fragen, die von der Wissenschaft wirklich gelöst werden können und zum Teil auch gelöst sind.
Kurt: Da meinst du also den Bau der inneren Organe und die Tätigkeit, welche jedes einzelne derselben auszuüben vermag?
Dr. E.: Das ist jedenfalls eine der Aufgaben, welche die Naturforschung zu bewältigen hat. Nicht minder wichtig ist dann die weitere Frage, wie jedes dieser Organe und somit das ganze kunstvolle Getriebe des erwachsenen Tieres aus den winzigen Anfängen der Eizelle sich entwickelt, wie aus dem Ei die Made, aus dieser die Puppe und schließlich das vollkommene Insekt sich herausbildet, und welche Kräfte hierbei in Wirksamkeit treten. — Doch ich sehe, ich spreche über Dinge, von denen ihr jedenfalls noch keine klare Vorstellung habt. Wir wollen daher, wenn es euch recht ist, nur mal ein wenig näher auf das eingehen, was man äußerlich an jeder Fliege beobachten kann. Ich hoffe, ihr werdet auch hierdurch schon einen kleinen Begriff bekommen von der Mannigfaltigkeit der Aufgaben, die zu lösen sind.
Fritz: Oh, den äußern Bau der Fliege kenne ich besser, als du glaubst! Ihr Körper zerfällt in Kopf, Brust und Hinterleib; sie hat sechs Beine wie alle Insekten —