Fritz: Ich habe doch kürzlich gelesen, daß es schon sehr schwer sei, zu beobachten, wie ein Pferd seine vier Beine setzt, und daß dies erst mit Hilfe der Momentphotographien und des Kinematographen festgestellt sei. Nun ist eine Fliege so viel kleiner, und dann gar die sechs Beine —
Dr. E.: Dennoch hat man diese Aufgabe gelöst, schon lange bevor die Momentphotographien bekannt waren. Man hat einfach den Fliegen die Fußsohlen mit verschiedener Farbe betuscht und sie dann über weißes Papier laufen lassen. Aus den Fußspuren konnte man dann ohne große Mühe ersehen, in welcher Reihenfolge die Beine gebraucht werden.
Kurt: Das finde ich aber schlau! Und wie war es denn nun?
Dr. E.: Willst du nicht lieber erst einmal raten?
Kurt: Ach, da werde ich wohl vorbeischießen! Aber vielleicht ist es so, daß erst die Vorderbeine gesetzt werden, dann die Mittelbeine und dann die Hinterbeine. Ich glaube, die Raupen kriechen auch so.
Dr. E.: Mit den Raupen hast du recht; bei den Fliegen ist es jedoch ganz anders. Diese benutzen stets drei Beine als Stützpunkte, beispielsweise etwa das linke Vorder- und Hinterbein und das rechte Mittelbein, die also gewissermaßen einen Dreifuß bilden. Die drei übrigen bringen dann die Fliege in der Weise vorwärts, daß das rechte, gestreckte Vorderbein, dessen Krallen sich am Boden festgehakt haben, durch Beugen den Körper zieht, während das linke Mittelbein und das rechte Hinterbein aus der Beugestellung sich strecken und ihn somit schieben. Beim nächsten Schritt ruht das Gewicht der Fliege auf diesen drei Beinen, und die bis dahin zur Stütze dienenden treten nun in Tätigkeit. Man hat die Insekten daher in bezug auf ihren Gang wohl doppelte Dreifüße genannt.
Kurt: Haben sie denn nicht verschiedene Gangarten, wie das Pferd, wenn es trabt oder galoppiert?
Dr. E.: Nein; es hat sich sogar herausgestellt, daß selbst die Schrittgröße immer die gleiche ist und nicht um Haaresbreite sich ändert, ganz gleichgültig, ob das Insekt gemütlich spaziert oder in wildester Flucht ist. Nur die Schnelligkeit, mit der die Beine bewegt werden, ist dann eine größere.
Hans: Weiß man denn, wie schnell eine Fliege laufen kann?
Dr. E.: Ich glaube nicht, daß man darüber schon genaue Messungen hat. Du kannst ja aber mal versuchen, ob du es nicht feststellen kannst. Wenn ich nicht irre, hausen noch ein oder zwei überwinternde Exemplare hier im Zimmer, die jetzt wohl am warmen Ofen sitzen werden. Die könntest du am Ende auf ihre Geschwindigkeit prüfen.