Dr. E.: Über diese Frage haben die Gelehrten viel hin und her gestritten. Die einen glaubten eine Art Haftscheibe an den Füßen gefunden zu haben, ähnlich wie bei den Laubfröschen, wobei das Anheften mit Hilfe des Luftdrucks geschieht. Die anderen wieder behaupteten, daß aus den feinen Borsten der Fußpolster ein klebriger Saft austrete, mit dem sich die Fliege anleime, etwa wie der Alpenjäger, von dem der kleine Walther in Schillers Tell erzählt. Die letzteren werden wohl recht behalten, denn man hat bei einiger Sorgfalt unter dem Mikroskop tatsächlich die feinen Spuren beobachten können, welche die Klebtröpfchen zurücklassen. Eine recht schwierige Aufgabe für den Chemiker wird es allerdings nun sein, die chemische Zusammensetzung dieses Stoffes ausfindig zu machen.

Kurt: Dann ist also die Fliege immer nur mit drei Füßen angeklebt, da ja die drei andern aufgehoben werden, um weiter zu laufen.

Dr. E.: Das genügt auch vollkommen. Der Versuch hat sogar ergeben, daß bei der nötigen Vorsicht schon ein einziger Fuß imstande ist, die ganze Körperlast am Glase festzuhalten. Sollte die Fliege aber auch wirklich einmal den Halt verlieren und ins Fallen geraten — das Genick würde sie sich deshalb doch schwerlich abschießen.

Kurt: Das will ich wohl glauben! Sie hat ja noch ihre Flügel!

Dr. E.: Weißt du denn, wieviel sie hat?

Kurt: Ja, zwei, wie die Vögel.

Dr. E.: Und ist es bei den andern Insekten ebenso?

Kurt: Nein, die haben vier, z. B. die Schmetterlinge und die Libellen.

Dr. E.: Seht, da stoßen wir gleich wieder auf einen Punkt, der dem Naturforscher viel Kopfzerbrechen macht. Soweit wir bis jetzt in das sehr schwierige Gebiet von dem Fluge der Tiere eingedrungen sind, scheint der Besitz von nur zwei Flügeln für das Fliegen am günstigsten. Warum nun trotzdem die Mehrzahl der Insekten mit vier Flügeln ausgerüstet ist, und warum gerade die Fliegen wieder hiervon eine Ausnahme machen, ist uns zurzeit noch fast völlig unklar. Überhaupt sind unsere Kenntnisse über den Flug der Insekten noch keineswegs abgeschlossen.

Fritz: Es scheint mir doch auch kaum möglich, hierüber irgendwelche Untersuchungen anzustellen. Wie will man denn ein Insekt im Fluge beobachten?