Dr. E.: Nun, so ganz unmöglich ist die Lösung derartiger Fragen doch nicht. Zunächst steht uns ja der ganze Muskelapparat, der die Flügel bewegt, zur genauesten anatomischen Untersuchung zur Verfügung. Aus der Größe, Lagerung und Befestigung dieser Muskeln werden wir auf deren Wirkungsweise schließen können. Andererseits geben uns Gestalt und Beschaffenheit des Flügels einen Anhalt darüber, wie der Luftstrom auf ihn einwirkt, der durch den Niederschlag erzeugt wird. Endlich aber lassen sich auch direkte Versuche anstellen, um die Zahl der Flügelschläge in einer Sekunde ausfindig zu machen oder den Weg, den die Flügelspitze hierbei beschreibt.

Kurt: Und das hat wirklich einer ausgeführt?

Schwingungszahl der Flügel. Schwingkölbchen

Dr. E.: O ja, sogar mehrere. Man hat lebende Insekten auf ganz feine Nadeln gespießt, ohne edlere Teile zu verletzen, und sie dann in der Nähe eines sich drehenden Zylinders mit berußter Oberfläche aufgestellt. Indem nun die Flügelspitze des flatternden Insekts den berußten Zylinder berührte, zeichnete sie gewissermaßen selbst den Weg auf, den sie in der Luft beschrieb. So konnte man aus der Drehungsgeschwindigkeit des Zylinders, verglichen mit den auf ihm abgezeichneten Auf- und Niederschlägen, mit Sicherheit die Zahl der Flügelschläge während einer Sekunde berechnen.

Fritz: Weiß man denn, wie groß diese Zahl für unsere Stubenfliege ist?

Dr. E.: Selbstverständlich. Sie beträgt etwa 330 in einer Sekunde, während der bummelige Kohlweißling in derselben Zeit nur neun macht. Übrigens kann man bei der Stubenfliege noch auf einem andern Wege zu dem gleichen Ergebnis gelangen. Man braucht nur eine Stimmgabel zur Hand zu nehmen.

Fritz: Eine Stimmgabel? Da bin ich doch neugierig.

Dr. E.: O, die Sache ist ganz einfach. Man weiß, daß der summende Ton, den die Fliege während des Fluges hören läßt, durch die Schwingungen der Flügel hervorgebracht wird. Stellen wir nun die Höhe dieses Tones mit Hilfe einer Stimmgabel fest — es ist das eingestrichene e oder f unseres Klaviers —, so können wir aus der bekannten Schwingungszahl dieses Tones ohne weiteres auf die Zahl der Flügelschläge schließen, welche denselben hervorbringen.

Fritz: Dann kann man ja mit Leichtigkeit auch bei allen andern Insekten, welche im Fluge summen, diese Zahlen ermitteln.

Dr. E.: Gewiß. Man muß sich nur dabei vor Täuschungen hüten. Bekanntlich bringen die Insekten vielfach auch noch andere Töne hervor, die mit der Flugbewegung gar nichts zu tun haben.