Kurt: Und wie machen sie das?
Dr. E.: Durch Ausstoßen der Luft aus den Atemlöchern der Brust. Wir wollen nicht weiter darauf eingehen, da es sich hierbei um Organe handelt, die äußerlich kaum sichtbar sind. Erwähnen nur möchte ich, daß diese eigentliche Stimme meist vom Flügelton völlig übertönt wird. Will man sie hören, so muß man der Fliege die Flügel festhalten. Man vernimmt dann ein ganz hohes Singen.
Fritz: Sag’ mal, Vater, führen nicht auch die sogenannten Schwingkölbchen ganz ähnliche Bewegungen aus wie die Flügel?
Dr. E.: Ja, soviel ich weiß, schwingen sie mit der gleichen Geschwindigkeit.
Hans: Was sind denn das, „Schwingkölbchen“?
Dr. E.: Das sind ein Paar dünne Stielchen, vorn mit einer knopfförmigen Verdickung, die etwa wie kleine Trommelstöcke aussehen und den letzten Rest der den Fliegen verlorengegangenen Hinterflügel darstellen.
Kurt: Ich meine, bei den großen Schnaken oder Kriebelmücken sind sie sehr lang und deutlich.
Dr. E.: Ganz recht. Bei unserer Stubenfliege sind sie von einer kleinen Schuppe bedeckt, die man erst abheben muß, wenn man sie sehen will.
Kurt: Wozu dienen denn diese merkwürdigen Trommelstöcke?
Dr. E.: Das ist keine so leichte Frage. Als man vor einer Reihe von Jahren vorn am Kopf derselben und auch am Grunde ihres Stielchens höchst merkwürdige sogenannte „Nervenstifte“ gefunden hatte, die auf eine Sinneswahrnehmung hindeuten, da war alle Welt darüber einig, daß nun endlich das lange gesuchte Gehörorgan der Fliege gefunden sei. Neuere Untersuchungen und Experimente führten dann freilich wieder zu einem ganz andern Ergebnis. Danach sind die Schwingkölbchen gewissermaßen die Lenkstangen, mit deren Hilfe das Insekt die Schwenkungen beim Fluge ausführt. Von einem Gehörorgane kann aus verschiedenen Gründen gar nicht die Rede sein.