Fritz: Hat man denn nun dafür ein anderes Gehörorgan gefunden?

Geruchs- und Gehörorgane der Fliege

Dr. E.: Wie es scheint, ja, und zwar an denjenigen Gebilden, welche schon die Zoologen des vorigen Jahrhunderts häufig als die Ohren der Insekten bezeichneten, an den Fühlern.

Kurt: Ei, das wundert mich. Ich dachte immer, die Fühlhörner wären bloß zum Fühlen da.

Dr. E.: Wenn man einen Heuspringer, eine Küchenschabe oder eine Schlupfwespe beobachtet, so kann man gewiß leicht zu dieser Ansicht kommen, denn man sieht es ja deutlich genug, wie diese Tiere mit ihren Fühlern alles betasten. Man muß sich aber hüten, dies nun so ohne weiteres auf alle übrigen Insekten zu übertragen. Bei vielen von ihnen ist ein Tasten mit den Fühlern kaum wahrzunehmen. Dagegen scheint es sicher, daß in den Fühlern ganz allgemein die Geruchsorgane und sehr häufig, wie bei unserer Fliege, auch die Gehörorgane stecken.

Fritz: Aber wie hat man denn das ausfindig gemacht?

Dr. E.: Schwer genug ist es den Naturforschern geworden, und wohl an hundert gelehrte Abhandlungen sind über diese Fragen veröffentlicht. Im allgemeinen will ich dir nur sagen, daß beide Wege eingeschlagen sind, die zum Ziele führen konnten: Die gründliche mikroskopische Untersuchung des feinern Baues der Fühler auf der einen Seite, die Anstellung scharfsinniger Experimente auf der anderen.

Fritz: Und durch solche Versuche will man feststellen, ob ein Insekt riechen kann?

Dr. E.: Daß es überhaupt riechen kann, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden. Ich erinnere euch nur an die Aasfliegen und Mistkäfer, die ihre Nahrung ja auf große Entfernung hin wittern. Die Versuche sollten vielmehr dartun, wo denn dieser Sinn seinen Sitz hat. Schon am Ende des achtzehnten Jahrhunderts hat ein Hamburger Arzt — Lehmann hieß er — in dieser Richtung sehr drollige Experimente angestellt. Er nahm eine Flasche und bohrte seitlich ein Loch hinein, durch welches er den Hinterleib des zu untersuchenden Insektes in das Innere steckte. Wenn er nun durch den Hals den Dampf von Schwefel, gebrannten Federn, Asa foetida oder dgl. in die Flasche leitete, so fingen die eingeklemmten Tiere an zu zappeln, und er glaubte dadurch bewiesen zu haben, daß der Geruchssinn in den Atemlöchern des Hinterleibes seinen Sitz habe, da ja der Vorderkörper außerhalb der Flasche in frischer Luft sich befand.

Kurt: Aber läßt sich denn gegen diesen Beweis etwas einwenden? Es ist doch klar, daß die Tiere zappelten, weil sie eine Empfindung von den schlechten Stoffen hatten, die in ihre Atemlöcher drangen.