Dr. E.: Das letztere läßt sich schwerlich bestreiten. Daß diese Empfindung jedoch mit dem Riechen gar nichts zu tun zu haben braucht, ist leicht einzusehen. Denke nur daran, daß es auch uns ungemütlich wird, und daß wir anfangen zu husten, wenn etwa Schwefeldampf in unsere Lungen gerät. Wir könnten dann mit demselben Rechte behaupten, der Sitz unseres Geruchssinnes sei in den Lungen.
Kurt: Alle Wetter! Das ist wahr! Da muß man ja riesig vorsichtig sein, damit man nicht ganz was Falsches rauskriegt. Wie hat man’s denn nun noch weiter versucht?
Dr. E.: Auf sehr verschiedene Weise. Man hat z. B. die Fühler abgeschnitten oder lackiert und dann beobachtet, ob das Insekt die versteckte Nahrung noch finden konnte. Kurz und gut, sowohl diese Versuche, wie vor allem die Beschaffenheit der vielen Nervenendigungen in der Oberhaut der Fühler machen es im hohen Grade wahrscheinlich, daß hier der Sitz des Geruchssinnes ist.
Fritz: Und das Gehörorgan, von dem du vorhin sprachst?
Dr. E.: Das steckt in dem zweituntersten Fühlergliede. Die Schallwellen der Luft versetzen zunächst die Borsten des Fühlerendes in Schwingungen, die sich dann auf die zarte Gelenkhaut zwischen dem zweiten und dritten Fühlergliede fortpflanzen. An ihr sind zahlreiche Nervenstiftchen befestigt, welche den Sinneseindruck weiter zum Gehirn leiten.
Kurt: Ich hätte doch gewiß nicht gedacht, daß so eine Stubenfliege ordentliche, erkennbare Organe für das Riechen und Hören hat. Kennt man denn vielleicht auch Geschmacksorgane?
Rüssel der Fliege. Facettenauge
Dr. E.: Freilich. Die sitzen als kleine Nervenstiftchen auf den fleischigen Lippenpolstern des Rüssels.
Kurt: Wo sind denn diese Lippenpolster?
Dr. E.: Ah, ich merke, daß du dir noch niemals diesen interessanten Apparat angesehen hast, mit dem die Fliege ihre Nahrung einsaugt. Das sollten wir gleich einmal machen. Lege doch einige Stückchen Zucker hier auf den Tisch; vielleicht tun uns unsere Fliegen den Gefallen und stellen sich zu Gaste ein.