Während des Rittes ging es sehr einsilbig zu. Am schweigsamsten war die Tochter des Scheik. Sie sprach kein Wort; aber in ihren Augen glühte ein schlimmes Feuer, und wenn sie nach links hinüberblickte, wo sie hinter dem niedrigen Horizonte das Schiff des Abu-Seïf vermuten mußte, faßte ihre Rechte stets entweder den Griff ihres Handschar oder den Kolben der langen Flinte, welche quer über ihrem Sattel lag.
Als wir in der Nähe des Lagers anlangten, ritt Halef zu mir heran.
»Sihdi,« fragte er, »wie sind die Gebräuche deines Landes? Hat dort einer, der sich ein Weib nimmt, die Braut zu beschenken?«
»Das thut wohl ein jeder bei uns und auch bei euch.«
»Ja, auch in Dschesirat el Arab und in dem ganzen Scharki[115] ist das Sitte. Aber da Hanneh nur zum Schein für einige Tage meine Frau werden soll, so weiß ich nicht, ob ein Geschenk erforderlich ist.«
[115] Osten.
»Ein Geschenk ist eine Höflichkeit, welche wohl immer angenehme Gefühle erregt. Ich an deiner Stelle würde höflich sein.«
»Aber was soll ich ihr geben? Ich bin arm und auch gar nicht auf eine Hochzeit vorbereitet. Meinst du, daß ich ihr vielleicht mein Adeschlik[116] verehre?«
[116] Feuerzeug.
Er hatte sich nämlich in Kairo ein kleines Döschen aus Papiermaché gekauft und verwahrte darin die Zündhölzer. Das Ding hatte für ihn einen sehr großen Wert, weil er dem Händler das zwanzigfache für die Dose bezahlt hatte, die kaum dreißig Pfennige wert war. Die Liebe brachte ihn zu dem heroischen Entschluß, seinem kostbaren Besitztume zu entsagen.