Meine Schuhe waren verloren; ich hatte keine Zeit, sie zu holen, denn schon hörte ich hinter mir den Ruf:
»Ein Giaur, ein Giaur! Fangt ihn, ihr Hüter des Heiligtumes!«
Die Wirkung, welche dieser Ruf hervorbrachte, war eine großartige. Ich hatte keine Zeit, mich umzusehen, aber ich hörte hinter mir das Getöse eines Wasserfalles, das Geheul eines Orkanes, das Stampfen und Trampeln einer nach Tausenden zählenden Büffelherde. Jetzt war es aus mit meinen gleichmäßigen Schritten. Ich schnellte vollends über den Platz hinüber, sprang zwischen den Säulen hindurch, die drei Stufen empor und stand vor dem Kamele, dessen Beine nicht gefesselt waren. Ein Fausthieb warf den Diener weit zur Seite, und im nächsten Augenblick saß ich im Sattel, den Revolver in der Hand. Aber – wird das Tier gehorchen?«
»E – o – ah! – E – o – ah!«
Gott sei Dank! Bei dem bekannten Ruf erhob sich das Hedjihn in zwei Rucken, und windschnell ging’s nun dahin. Schüsse krachten hinter mir – nur vorwärts, vorwärts!
Wäre das Kamel eines jener halsstarrigen Tiere gewesen, welche man so oft findet, so war ich unbedingt verloren.
In weniger als drei Minuten befand ich mich außerhalb der Stadt, und erst dann wagte ich es, mich umzusehen, als ich beinahe die halbe Höhe des Berges hinter mir hatte. Da unten wimmelte es von Reitern, welche mich verfolgten. Die Muselmänner waren nämlich sofort in die nächsten Serais und Khans geeilt und hatten die dort vorhandenen Tiere bestiegen.
Wohin sollte ich mich wenden? Zur Tochter des Scheik, die dadurch verraten wurde? Und doch mußte ich sie warnen! Ich feuerte mein Tier durch unaufhörliche Zurufe an; seine Schnelligkeit war unvergleichlich. Oben auf der Höhe blickte ich noch einmal zurück und bemerkte, daß ich mich in Sicherheit befand. Ein einziger Reiter war mir verhältnismäßig nahe gekommen. Es war Abu-Seïf. Zufällig hatte er ein Pferd ergriffen, welches eine außerordentliche Schnelligkeit entwickelte.
Ich flog drüben den Abhang hinab. Die Tochter Maleks erspähte mich. Daß ich auf einem Kamele saß und in solcher Eile herbeigestürmt kam, dies ließ sie die Sachlage erraten. Sie schwang sich sofort auf ihr Kamel und nahm dasjenige, auf welchem ich vorher gesessen hatte, beim Halfter.
»Wer hat dich entdeckt?« rief sie mich in Hörweite an.