Für meine Person hatte ich nichts mehr zu befürchten, und da die andern Verfolger immer weiter zurückblieben, so war nur noch darauf zu achten, daß Abu-Seïf uns nicht entwischte. Ich suchte daher aus dem hügeligen Terrain heraus und in die Ebene zu kommen, doch in der Richtung, welche dem Lager der Ateïbeh entgegengesetzt war. Und zu gleicher Zeit zügelte ich mein Dschemmel immer mehr.
So dauerte der Ritt wohl gegen drei Viertelstunden, bis ich endlich die offene Wüste erreichte. Ich strebte in dieselbe hinein und richtete es so ein, daß sich Abu-Seïf immer außer Schußweite hinter mir befand. Jetzt erreichte auch die Tochter des Scheik den Fuß der Hügelkette, aber zu gleicher Zeit sah ich auf dem Kamme der letzten Höhe noch einen Verfolger erscheinen, der ein ausgezeichnetes Kamel reiten mußte; denn er kam uns anderen immer näher. Sein Tier war dem Pferde des Abu-Seïf weit überlegen.
Ich begann bereits Befürchtungen zu hegen, zwar nicht für mich, sondern in Beziehung auf meine Gefährtin; da sah ich zu meinem Erstaunen, daß dieser Reiter seitwärts abbog, als wolle er uns in einem Bogen überholen. Ich hielt mein Tier an und blickte schärfer zurück. War es möglich? Dort der kleine Kerl auf dem fliegenden Hedjihn sah genau so aus, wie mein Halef. Wie kam er zu einem solchen Tiere, und wie kam er hinter uns? Ich hielt mein Kamel an, um ihn noch einmal, und zwar genau ins Auge zu fassen. Ja, es war Halef und kein anderer. Er wollte sich mir zu erkennen geben und schlug mit den Armen in der Luft herum, als ob er Schwalben fangen wolle.
Nun blieb ich ruhig sitzen und nahm die Büchse zur Hand. Der Verfolger war im Bereich meiner Stimme.
»Rrrrreee, du Vater des Säbels! Bleib fern, sonst sende ich dir eine Kugel!«
»Fern bleiben, du Hund?« schrie er. »Ich werde dich lebendig fangen und nach Mekka bringen, du Schänder des Heiligtumes!«
Ich konnte nichts anderes thun: ich zielte und feuerte. Um ihn zu schonen, hatte ich auf die Brust seines Pferdes gehalten. Es überschlug sich und begrub ihn unter sich; es wälzte sich einigemal über ihm und dann war es tot. Ich erwartete, daß er sich schleunigst hervorarbeiten werde; es geschah nicht. Entweder hatte er sich verletzt, oder er that nur so, um mich in seine Nähe zu locken. Ich ritt sehr vorsichtig auf ihn zu und kam zu gleicher Zeit mit der Ateïbeh bei ihm an. Er lag mit geschlossenen Augen im Sande und rührte sich nicht.
»Effendi, deine Kugel ist der meinigen zuvorgekommen!« klagte das Weib.
»Ich habe nur auf sein Pferd und nicht auf ihn geschossen. Doch kann er das Genick oder etwas anderes gebrochen haben. Ich werde nachsehen.«
Ich stieg ab und untersuchte ihn. Wenn er sich nicht innerlich verletzt hatte, so war er wohl erhalten und nur betäubt. Die Ateïbeh zog ihren Handschar.