»Wie?«
»Es soll so bleiben, wie vorhin, nur mit dem Unterschiede, daß ich auch ein Gewehr zu mir nehmen und auf diese zehn Männer schießen kann.«
»Allah kerihm, Allah ist gnädig; er verhüte ein solches Unglück, denn du würdest sie alle vom Pferde schießen!«
»So glaubst du nun also wohl, daß ich mich weder vor den Obeïde noch vor den Abu Hammed und den Dschowari fürchte, wenn ich diesen Hengst unter mir habe?«
»Emir, ich glaube es.« – Er rang sichtlich mit einem Entschlusse, dann aber setzte er hinzu: »Du bist Hadschi Kara Ben Nemsi, der Freund meines Freundes Malek, und ich vertraue dir. Nimm den Hengst und reite gegen Morgen. Bringst du mir keine Botschaft, so bleibt er mein; bringst du mir aber genügende Kunde, so ist er dein. Dann werde ich dir auch sein Geheimnis sagen.«
Jedes arabische Pferd nämlich hat, wenn es besser als mittelmäßig ist, sein Geheimnis; das heißt: es ist auf ein gewisses Zeichen eingeübt, auf welches es den höchsten Grad seiner Schnelligkeit entwickelt und dieselbe nicht eher mindert, als bis es entweder zusammenbricht oder von seinem Reiter angehalten wird. Dieser Reiter verrät das geheime Zeichen selbst seinem Freunde, seinem Vater oder Bruder, seinem Sohne und seinem Weibe nicht und wendet es erst dann an, wenn er sich in der allergrößten Todesgefahr befindet.
»Erst dann?« antwortete ich. »Kann nicht der Fall eintreten, daß nur das Geheimnis mich und das Pferd zu retten vermag?«
»Du hast recht; aber du bist noch nicht der Besitzer des Rappen.«
»Ich werde es!« rief ich zuversichtlich. »Und sollte ich es nicht werden, so wird das Geheimnis in mir vergraben sein, daß keine Seele es erfahren kann.«
»So komm!«