»Sobald ich es erreicht habe, könnt ihr auf mich schießen; auch sollt ihr mir gar keinen Vorsprung lassen. Vorwärts!«
Ich sprang auf – der Hengst schoß wie ein Pfeil davon. Die Araber folgten ihm hart auf den Hufen. Es war ein Prachtpferd. Noch hatte ich die Hälfte der angegebenen Entfernung nicht zurückgelegt, als der vorderste Verfolger bereits um fünfzig Schritte zurückgeblieben war.
Jetzt bog ich mich nieder, um den Arm in den Halsriemen und das Bein in die Schlinge zu stecken. Kurz vor dem angegebenen Zelte blickte ich mich um; alle zehn hielten ihre langen Flinten oder ihre Pistolen schußfertig. Jetzt warf ich das Pferd in einem rechten Winkel herum. Einer der Verfolger parierte sein Pferd mit jener Sicherheit, wie es nur ein Araber zu stande bringt; es stand, als sei es aus Erz gegossen. Er hob die Flinte empor; der Schuß krachte.
»Allah il Allah, ïa Allah, Wallah, Tallah!« rief es.
Sie glaubten, ich sei getroffen, denn ich war nicht mehr zu sehen. Ich hatte mich nach Art der Indianer vom Pferde geworfen und hing nun mittels des Riemens und der Schlinge an derjenigen Seite desselben, welche den Verfolgern abgewendet war. Ein Blick unter dem Halse des Rappen hindurch überzeugte mich, daß niemand mehr ziele, und sofort richtete ich mich wieder im Sattel empor, drückte das Pferd wieder nach rechts hinüber und jagte weiter.
»Allah akbar, Maschallah, Allah il Allah!« brauste es hinter mir. Die guten Leute konnten sich die Sache noch nicht erklären.
Sie vermehrten ihre Schnelligkeit und hoben ihre Flinten wieder empor. Ich zog den Rappen nach links, warf mich wieder ab und ritt in einem spitzen Winkel an ihrer Flanke vorüber. Sie konnten nicht schießen, wenn sie nicht das Pferd treffen wollten. Trotzdem die Jagd gefährlich aussah, war sie bei der Vortrefflichkeit meines Pferdes doch nur wie das Kinderhaschen, welches ich Indianern gegenüber allerdings nicht hätte wagen dürfen. Wir jagten einigemal um das außerordentlich ausgedehnte Lager herum; dann galoppierte ich, immer an der Seite des Pferdes hangend, mitten zwischen den Verfolgern hindurch, nach dem Orte, an welchem der Ritt begonnen hatte.
Als ich abstieg, zeigte der Rappe nicht eine Spur von Schweiß oder Schaum. Er war wirklich kaum mit Geld zu bezahlen. Nach und nach kamen auch die Verfolger an. Es waren im ganzen fünf Schüsse auf mich gefallen, natürlich aber hatte keiner getroffen. Der alte Scheik faßte mich bei der Hand.
»Hamdulillah! Preis sei Allah, daß du nicht verwundet bist! Ich habe Angst um dich gehabt. Es giebt im ganzen Stamm El Schammar keinen solchen Reiter, wie du bist!«
»Du irrst. Es giebt in deinem Stamme sehr viele, welche besser reiten als ich, viel besser; aber sie haben es nicht gewußt, daß sich der Reiter hinter seinem Pferde verbergen kann. Wenn ich von keiner Kugel und von keinem Manne erreicht wurde, so habe ich es nicht mir, sondern diesem Pferde zu danken. Aber, erlaubst du vielleicht, daß wir das Spiel einmal verändern?«