»Zwischen sie und ihn hinein, Sihdi!« antwortete er mir.
Er hatte mich also sofort verstanden. Jetzt wagte der Haddedihn einige kühne Sprünge von Croupe zu Croupe der hinter ihm haltenden Pferde, deren Reiter sich einer solchen Verwegenheit gar nicht versehen hatten, und ehe sie ihn noch zu fassen vermochten, hatte er seinen eigenen Renner erreicht, saß im Sattel, riß den Zügel aus der Hand dessen, der denselben hielt, und jagte seitwärts von dannen, nicht den Weg hinauf oder hinab, sondern stracks auf das Flüßchen zu.
Ein vielstimmiger Schrei der Überraschung und des Grimmes erscholl hinter ihm.
»Dein Gefangener flieht,« rief ich dem Anführer zu; »laß uns ihm nachjagen!«
Zu gleicher Zeit zog ich mein Pferd herum und sprengte dem Flüchtigen nach. Halef hielt sich an meiner Seite.
»Nicht so nahe bei mir, Halef! Weiter ab! Reite so, daß sie nicht schießen können, ohne uns zu treffen!«
Es war eine scharfe, wilde Jagd, welche jetzt begann. Zum Glück dachten die Verfolger zunächst nur daran, Mohammed Emin einzuholen, und als sie sahen, daß sein Pferd den ihrigen überlegen sei, und zu den Waffen griffen, war der Vorsprung, welchen er gewonnen hatte, bereits zu groß geworden. Auch waren ihre Schießgewehre nicht gut zu gebrauchen, da ich mit Halef nicht in gerader Linie vor ihnen her, sondern in einem kurzen Zickzack ritt und dabei mir alle mögliche Mühe gab, mein Pferd als störrisch zu zeigen. Bald blieb es stehen und bockte, dann schnellte es davon, warf sich mitten im Laufe zur Seite, drehte sich auf den Hinterfüßen um seine eigene Achse, schoß eine Strecke weit nach rechts oder links und schwenkte dann in haarscharfer Drehung in die rechte Richtung ein. Halef that ganz dasselbe, und so kam es, daß die Türken nicht schießen konnten, aus Furcht, uns zu treffen.
Der Haddedihn hatte sein Pferd furchtlos in die Fluten des Khausser getrieben. Er kam glücklich hinüber, und ich mit Halef auch; aber ehe es den anderen gelang, uns dies nachzuthun, hatten sie uns einen bedeutenden Vorsprung gelassen. So flogen wir auf unsern guten Tieren vorwärts, immer nach Nordwesten zu, bis wir ungefähr zwei Wegstunden zurückgelegt hatten und auf die Straße trafen, welche von Mossul über Telkeïf direkt nach Rabban Hormuzd führt und ganz parallel derjenigen zieht, auf welcher wir vorhin Khorsabad, Dscherraijah und Baadri erreichen wollten. Erst hier hielt der Haddedihn sein Pferd an. Er sah nur uns beide, denn die andern waren längst hinter dem Horizonte verschwunden.
»Preis sei Gott!« rief er. »Effendi, ich danke dir, daß du ihnen die Hände von den Flinten genommen hast! Was thun wir nun, damit sie uns verlieren?«
»Wie bist du in ihre Hände gekommen, Scheik?« fragte der kleine Halef.