In diesem Augenblick erscholl in unmittelbarer Nähe ein Schrei, wie ich ihn in meinem Leben noch gar nicht gehört hatte. Es klang, als ob auf den hohen, schrillen Pfiff einer Dampfpfeife das Kollern eines Truthahnes folge, und daran schloß sich jenes vielstimmige, ächzende Wimmern, welches man zu hören bekommt, wenn einer Orgel mitten im Spiele der Wind ausgeht. Die Anwesenden starrten erschrocken das Wesen an, welches diese rätselhaften, antediluvianischen Töne ausgestoßen hatte. Ifra aber meinte ruhig:
»Was staunt ihr denn? Mein Esel war’s! Er kann die Dunkelheit nicht leiden; darum schreit er die ganze Nacht hindurch, bis es wieder licht geworden ist.«
Hm! Wenn es so stand, so war dieser Esel doch eine ganz liebenswürdige Kreatur! Diese Stimme mußte ja Tote lebendig machen! Wer sollte während der Nacht an Schlaf und Ruhe denken, wenn man die musikalischen Impromptüs dieser vierbeinigen Jenny Lind anhören mußte, welche in der Lunge eine Diskantposaune, in der Gurgel einen Dudelsack und im Kehlkopfe die Schnäbel und Klappen von hundert Klarinetten zu haben schien.
Übrigens war es jetzt bereits zum drittenmal, daß ich die Erzählung von der Nase des Buluk Emini zu hören bekam. Es schien »im Buche verzeichnet« zu sein, daß er diese Erzählung niemals zu Ende bringen dürfe.
»So schreit das Tier also die ganze Nacht?« fragte einer.
»Die ganze Nacht,« bestätigte er mit der Ergebenheit eines Märtyrers. »Alle zwei Minuten einmal.«
»Gewöhne es ihm ab!«
»Womit?«
»Ich weiß es nicht!«
»So behalte auch deinen Rat für dich! Ich habe alles vergebens versucht: – Schläge, Hunger und Durst.«