»Stelle es ihm einmal in ernsten Worten vor, damit er sein Unrecht erkennt!«
»Ich habe ihm ernste und auch liebevolle Reden gehalten. Er sieht mich an, hört mir ruhig zu, schüttelt den Kopf und – schreit weiter.«
»Das ist doch sonderbar. Er versteht dich; er versteht dich ganz gewiß, aber er hat keine Lust, dir den Gefallen zu thun.«
»Ja, ich habe auch sehr oft gehört, daß die Tiere den Menschen verstehen, denn zuweilen soll in ihnen die Seele eines Verstorbenen stecken, die dazu verdammt ist, auf diese Weise ihre Sünden abzubüßen. Der Kerl, welcher in diesem Esel steckt, muß früher taub gewesen sein, stumm aber gewißlich nicht.«
»Du mußt einmal zu erforschen versuchen, zu welchem Stamme er gehört hat. In welcher Sprache redest du zu dem Esel?«
»Wenn nun die Seele ein Perser, ein Araber oder gar ein Giaur gewesen ist, der das Türkische gar nicht versteht?«
»Allah akbar, das ist wahr! Daran habe ich gar nicht gedacht!«
»Warum schüttelt der Esel stets den Kopf, wenn du zu ihm redest? Sein Geist versteht das Türkische nicht. Sprich in einer anderen Sprache zu ihm!«
»Aber ob ich die richtige finde? Ich werde meinen Emir bitten. Hadschi Halef Omar hat mir gesagt, daß dieser die Sprachen aller Völker reden kann. Vielleicht entdeckt er, wo der Geist meines Esels früher gelebt hat. Auch Soliman[212] konnte alle Tiere verstehen.«