»Nein. Du hast dem Vater und den beiden andern das Leben gerettet und auch jetzt uns vor den Türken gewarnt, wie ich vom Bey erfahren habe. Du bist der einzige, dem ich Auskunft erteilen werde. Aber ich muß dir sagen, daß ich selbst nicht alles weiß.«

»Giebt es bei euch Dinge, die nicht jeder wissen darf?«

»Nein. Aber giebt es nicht in jedem Hause Dinge, welche die Eltern ganz allein zu wissen brauchen? Unsere Priester sind unsere Väter.«

»Darf ich dich fragen?«

»Frage; aber ich bitte dich, einen Namen nicht zu nennen!«

»Ich weiß es; aber ich möchte grad über diesen Gegenstand einiges wissen. Wirst du mir Auskunft geben, wenn ich das Wort vermeide?«

»Soviel ich’s vermag, ja.«

Dieses Wort war der Name des Teufels, den die Dschesidi niemals aussprechen. Das Wort Scheïtan ist bei ihnen so verpönt, daß sie selbst ähnliche Worte sorgfältig vermeiden. Wenn sie zum Beispiel von einem Flusse sprechen, so sagen sie »Nahr«, aber niemals »Schat«, weil dieses letztere Wort mit der ersten Silbe von Scheïtan in naher Beziehung steht. Das Wort »Keïtan« (Franse oder Faden) wird vermieden und auch die Wörter »Naal« (Hufeisen) und »Naal-band« (Hufschmied), weil sie mit den Worten »Laan« (Fluch) und »mahlun« (verflucht) in einer gewissen Nähe stehen. Sie sprechen vom Teufel nur in Umschreibung, und zwar mit Ehrfurcht. Sie nennen ihn Melek el Kuht, der mächtige König oder Melek Ta-us, König Pfauhahn.

»Ihr habt neben dem guten Gott auch noch ein anderes Wesen?«

»Neben? Nein. Das Wesen, welches du meinst, steht unter Gott. Dieser Kyral meleklerün war das oberste der himmlischen Wesen; aber Gott war sein Schöpfer und Herr.«