»Auch dies wirst du nicht thun.«
»Warum nicht?«
»Er könnte grad dadurch auf das aufmerksam werden, was wir ihm durch seine Freilassung verborgen haben. Er wird sich hüten, hier zu bleiben, und übrigens kommen jetzt genug Leute an, bei denen du dich erkundigen kannst, ob sie ihm begegnet sind.«
Auch hier drang ich durch. Es war mir eine angenehme Genugthuung, zwei Vorteile verbunden zu haben: – ich hatte einem Menschen, der doch nur auf Befehl gehandelt hatte, das Leben erhalten und zu gleicher Zeit den Plan des Mutessarif vereitelt. Mit diesem Gefühle ging ich in das Frauengemach, welches hier eigentlich Küche genannt werden mußte, um das Frühstück einzunehmen. Vorher aber holte ich aus meiner kleinen Raritätensammlung, die ich von Isla Ben Maflei erhalten hatte, ein Armband, an welchem ein Medaillon angebracht war.
Der kleine Bey war auch bereits munter. Während ihn seine Mutter hielt, versuchte ich seine niedliche Physiognomie zu Papiere zu bringen. Es gelang ganz leidlich, denn Kinder sind einander ähnlich. Dann legte ich das Papier in das Medaillon und gab der Mutter das Armband.
»Trage dies als Andenken an den Emir der Nemtsche,« bat ich sie; »das Gesicht deines Sohnes befindet sich darin; es wird ewig jung bleiben, auch wenn er alt geworden ist.«
Sie sah das Bild an und war ganz entzückt. In fünf Minuten hatte sie es sämtlichen Bewohnern des Hauses und allen Anwesenden gezeigt, und ich konnte mich vor Dankbarkeitsbezeigungen kaum retten. Dann aber brachen wir auf, allerdings nicht mit dem Gefühle, daß es zu einer Lustbarkeit gehe, sondern in sehr ernster Stimmung.
Ali Bey hatte seine kostbarste Kleidung angelegt. Er ritt mit mir voraus, und dann folgten die angesehensten Leute des Dorfes. Mohammed Emin befand sich natürlich an unserer Seite. Er war mißmutig, da unser Ritt nach Amadijah eine solche Unterbrechung erlitten hatte. Vor uns her zog eine Schar von Musikanten mit Flöten und Tamburins. Hinterher kamen die Frauen, meist mit Eseln, die mit Teppichen, Kissen und allerlei Gerätschaften beladen waren.
»Hast du deine Vorbereitungen für Baadri getroffen?« fragte ich den Bey.
»Ja. Bis Dscherraijah stehen Posten, welche mir das Nahen des Feindes sofort melden.«