Die Polizisten waren sämtlich mehr oder minder schwer verletzt. Die vor der Türe postierten beiden Probanden halfen ihren verwundeten Kameraden.
Emil schnappte einen Teil des Geldes vom Tisch. Er hatte einen leichten Streifschuß erhalten. Die Treppe hinauf ging es und über die nächtlichen Dächer auf gewohnten Pfaden ins Freie.
Aber er hatte auf dem Tisch seine Brieftasche vergessen. Als man sie öffnete, war die Lösung des Rätsels gegeben.
Die Brüder Strauß waren abermals entwischt.
Wenige Tage nach dem Kampfe erlag der wackere Wachtmeister Erdmann seinen schweren Verletzungen. Seinem Kollegen Krumpholz, der einen Kopfschuß erhalten hatte, mußte ein Auge entfernt werden.
Die beiden Brüder erkannten, daß jetzt ihr Leben auf dem Spiele stand. Die ganze furchtbare Gewalt ihres Schicksals stand klar vor ihren Augen. Bislang wußten sie, daß sie auf Gnade zu hoffen hatten, und daß die Polizei bis zu einem gewissen Grade gute Miene zum bösen Spiel machte. Sie in den Grenzen des Erlaubten schonend und menschlich behandelte. All diese Sympathien, auch in der Öffentlichkeit, hatten sie sich verscherzt. Der Ton der Presse, bis jetzt voll heimlicher oder offener romantischer Bewunderung, schlug in grelle Entrüstung zu Schreien nach Sühne und Vergeltung um. Und das mit Recht.
Selbst gesetzt den Fall, die Schüsse waren ein Akt der Notwehr, der Verzweiflung und Verwirrung ... ein kühler und beherrschter Intellekt wie der des älteren Bruders hätte die Gefahr spüren, wittern müssen, der er entgegenstürzte in dem gleichen Augenblick, da er die Waffe berührte.
Die beiden irrten durch Berlin, um einen Unterschlupf zu finden. Wohl selbst ihrer Sache überdrüssig und gewiß, daß sie nicht lange mehr verschnaufen würden.
Den Ermittlungen der Polizei war es gelungen, ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Am siebenten Januar 1920 erschien Kriminaloberwachtmeister Dettmann bei der Inhaberin eines Logis im Norden und verlangte Einlaß in eine Hinterkammer, in der zwei Männer unangemeldet wohnen sollten. Ein kurzes Palaver.
„Aufmachen, Emil, hier ist Dettmann ... wir haben Handgranaten.“