Polizisten nahmen neben den Angeklagten Platz und hielten die Revolver schußbereit. Man war auf alle Eventualitäten und Zwischenfälle vorbereitet.

Trotz der schärfsten Kontrolle aber war es einer ganzen Anzahl der Zunftgenossen der Einbrecherkönige gelungen, sich auf die Tribünen zu schleichen, wo sie friedlich zwischen hohen juristischen Leuchten und Herren der Gesellschaft saßen. Aber gerade vor diesen Anhängern hatte man Angst. Waren doch allenthalben Gerüchte verbreitet, daß die Gesinnungsgenossen in ihrer Verehrung für ihr angestammtes Herrscherpaar sogar zu einem Befreiungsversuch entschlossen seien.

Der Vorsitzende befahl also, zunächst die Tribünen zu räumen, was nach einigen Schwierigkeiten auch gelang.

Bleich und mager, aber unerschüttert saß Emil Strauß in der häßlichen Gefangenentracht auf der Bank und ließ den Blick durch den Zuschauerraum gehen, wo er einige Bekannte mit einem leisen Kopfnicken begrüßt.

Dann beginnt die Verhandlung mit den üblichen Formalitäten, nach deren Verlesung, Anklage, Vorstrafen der Auftakt, die große Überraschung einsetzt. Der Angeklagte Emil Strauß erhebt sich und will eine Rede halten.

Der Staatsanwalt unterbricht ihn.

Der Redner aber wehrt ab mit der Begründung, daß hier ein Menschenleben auf dem Spiele stehe und ein paar Minuten deshalb keine Rolle spielen dürften.

Dann gibt es kein Halt mehr für ihn. Er ignoriert die Einwände und Aufforderungen des Vorsitzenden, zur Sache zu reden. Die Sache, das ist eben seine Anschauung von den Ursachen und Irrwegen seines jetzigen Zustandes, dessen Wurzeln er ausgräbt und bloßlegt. Eben in jener Rede, die eingangs bereits wörtlich abgedruckt ist.

Der Eindruck, den sie machte, war überraschend und hatte wohl die gut berechnete Wirkung, allen bösen Anschauungen, die die Geschworenen durch Presse und Legende in sich aufgenommen hatten, durch einen echten und menschlich ergreifenden Urtext zu verdrängen. Natürlich war die Art seines Vortrags dem Inhalt entsprechend. Klar und kompliziert zugleich, tief durchdacht und schließlich doch gebunden an die böse Realität seiner Existenz, die nun hier vor der letzten Instanz sich an ein menschlicheres Ohr wandte, als er es bisher in der Welt gefunden.

Dieser ungewohnte und doch wahre, nüchterne und durch keine Phantasie auszudenkende Bericht erregte in ganz Deutschland größtes Aufsehen. Nur nicht an der Stelle, wo es der Fall hätte sein müssen.