Der Staatsanwalt begründete die Anklage formal und psychologisch auf Mord.

„Von Notwehr kann keine Rede sein. Weder wußten die Polizisten, mit wem sie es zu tun hatten, noch lag ein Grund zu einem Angriff von ihrer Seite vor. Sie rechneten auch gar nicht damit, da alles in Ordnung und Ruhe vor sich ging und niemand der Betroffenen, am allerwenigsten Emil Strauß, auch nur eine Spur von Erregung zeigte.

Als der eine der Beamten den Angeklagten in der Nebenkammer, die er noch gar nicht bemerkt hatte, rumoren hörte, fragte er instinktiv, und das Kommando „Hände hoch!“ war keineswegs ein Signal für einen Angriff seinerseits, sondern lediglich ein Warnungsruf, eine Aufforderung in der eigenen erkannten und zur Gewißheit gewordenen Gefahr.

Gleich darauf betrat Emil Strauß das Wohnzimmer, den erhobenen, schußbereiten Revolver in der Faust, und zielte mit absoluter Ruhe und Kaltblütigkeit wie auf dem Übungsplatz gegen die Polizisten, die gleich vor der Mündung saßen oder standen.

Zwischen dem Verlassen des Zimmers und seinem Wiederauftreten mit der geladenen Waffe liegt die Überlegung und der Entschluß, zu morden. Sich mit Gewalt aus der brenzligen Situation zu retten.

Die beiden Brüder gehören ihrem ganzen Wesen nach zu den gefährlichsten Einbrechern, die Berlin je heimsuchten, und es liegt in ihrer Natur, auch wenn sie heute mit bombastischer Rede und psychologischen Erklärungen ihre Taten als zwangsläufig und unabwendbar hinstellen möchten, daß sie vor nichts, auch nicht vor der Vernichtung blühender Menschenleben zurückschrecken.

Durch die Aussagen der Beamten ist ferner erwiesen, daß keiner der beiden auch nur angetrunken gewesen wäre, geschweige denn, wie Emil angibt, vollkommen benebelt. Dagegen spricht ihre sofort folgende Klettertour über die vereisten Dächer.

Die Tat ist bei voller Besinnung und in klarer Erkenntnis der Folgen begangen.“

So etwa lautete das lange und kunstgerecht aufgebaute Plaidoyer des Staatsanwaltes, der Todesstrafe beantragte.

Dann folgte die Rede des Verteidigers, der das Gegenteil feststellte und vor allem die Tatsache unterstrich, daß gerade diese beiden gefährlichen Verbrecher nie auch nur eine Spur gewalttätiger Gesinnung gezeigt hätten. Daß Emil mit Tränen in den Augen sagte, er werde nach seiner Entlassung bis an sein Lebensende für Frau Erdmann arbeiten, und sie möge ihm doch verzeihen.