Seine Unruhe war nicht zu bändigen, obwohl er doch allen Grund gehabt hätte, zufrieden zu sein. Er hatte alle Pläne bisher verwirklicht und das Wahrscheinliche wahr gemacht, das Bizarre gemieden und vergessen.

Es trieb ihn um und um. Er flüsterte vor sich hin, er munkelte in eine Ecke starrend und ratschte mit den Füßen über die Diele.

Seine Worte hatten keinen Sinn sichtbarer Verknüpfung. Es waren Worte, die Lawinen dunklen Mißgeschicks ihm auspreßten.

„Unglaublich — unglaublich — gräßlich — heraus — nur heraus — furchtbar.“

Und dazu stieß er tiefe Seufzer aus, Ekel verzerrte seine Lippen.

Alle Dinge sprangen ihm an die Kehle. Aber er kam ihnen zuvor und schleuderte sie in eine Flut von Abscheu und Verachtung. Wenn die Stunde jedoch gekommen war, stand er auf, reckte sich, nahm sein Frühstück, ging ins Büro, ins Gasthaus, ging auf die Straße und legte sich zu Bett. Jedes wenn die Stunde gekommen war.

Aber Ekel, Wut und Verzweiflung waren an keine Stunde gebunden. Sie waren die Zeit selber, denn sie liefen unter ihm fort und hoben ihn plötzlich auf und schüttelten ihn aufkochend zur Rechten zur Linken.

Auch daran hatte er sich gewöhnt und gewisse Mittel ergriffen, um „das Ärgste zu vermeiden“.

Man konnte den Dienst wechseln, die Stadt, die Wohnung, oder in Urlaub fahren. Der Anzug war unansehnlich, noch gut fürs Haus oder Büro. Man kaufte einen neuen. Der Wechsel war ein Schlafmittel und machte doch lebendig neuen Interessen. Dann brauchte man nicht nachzudenken, sondern flatterte, plätscherte. In ungeahnter Fülle spendete Schicksal Erfolge, Scherze, Schauspiele. Das Neue kitzelte einen neuen, unberührten Punkt der Nerven und führte neues Licht auf alte Farben. Die leuchteten dann ganz prächtig auf, das alte Grau war verschwunden.

Bis es eines Tages aufschwelte und alles in den Fingerspitzen juckte. Bis seine Augen sich wieder öffneten, nachgebend einer unbekannten Hand, bis er in den Ecken stand und vor sich hinknurrte.