Im Berg zu ihrer Rechten klaffte ein Spalt. Sie schlüpften hinein und hinter dem letzten ward es Nacht, durch die sie noch ihre Verfolger vorbeistürmen hörten.
Glücklich, einander nicht anschauen zu brauchen, legten sie sich nieder und schliefen ein vor Erschöpfung und Trauer.
Als sie erwachten aus unendlichen Träumen, war es lichter Tag um sie her. Sie sprangen vom Boden auf und waren einig, sich sofort dem Richter zu stellen, damit der Tod Flucht und Schande von ihnen nehme und ihnen endlich die Pforte des Paradieses öffne.
Eilends verließen sie ihre Höhle. Sie wanderten lange durch einen Wald, den kein Weg aufteilte. Sie verhehlten einander ihre Unruhe, denn keiner kannte die Gegend und die Stadt schien vom Erdboden verschwunden.
Sie änderten ihren Kurs und gelangten auf eine wüste Stätte voller Ruinen und Trümmer von Säulen, Tempeln, Kasernen und Gerichtsgebäuden. Fern am Rande der Vernichtung sahen sie müde Rauch wirbeln. Sie atmeten auf und hielten auf dieses Zeichen zu. Da lagerten einige armselige Hütten um ein Kreuz. Menschen saßen vor den Türen und blickten in den Abend. Sie standen auf, als die Sieben sich näherten. Man verstand einander zuerst nicht. Aber die Leute gaben ihnen freundlich Brot und Käse und zeigten ihnen den Weg zur Stadt.
Diese Stadt aber kannten sie nicht. Sie schien neu, niedriger, kleiner als ihre Vaterstadt. Sie fragten nach dem Richter Glädonius, der sie zum Tod verurteilt hatte.
Niemand hatte von ihm gehört.
Sie fragten nach dem Gouverneur Procius, dem Feldherrn Caronius, nach allen Beamten, allen Großen der Stadt, allen Philosophen und Dichtern. Nie hatten die Leute dieser Stadt ihre Namen vernommen.
Offenbar war ein Furchtbares geschehen in ihrer Abwesenheit, ein Erdbeben, eine Feuersbrunst, Kriege schienen in einer Nacht, einem Schlaf die Erde umgestürzt und alle Menschen verändert und ihr Gedächtnis ausgelöscht zu haben.
Endlich führte man sie in ein weißes, gedecktes Haus, über dessen Tür das Zeichen des Kreuzes gemalt war und der Gekreuzigte aus Stein gemeißelt in einer Nische stand. In diesem kühlen Hause empfing sie ein alter Mann mit großen Augen und faltig-knochigem Gesicht.