„Wir bitten Dich, uns vor den Richter zu führen. Wir sind Christen und den Soldaten des Kaisers entflohen. Wir sind bereit, jetzt sofort zu sterben. Wir wollen jetzt Zeugnis ablegen.“
„Wir sind alle Christen, meine Brüder,“ meinte vorsichtig der Greis, „weshalb seid Ihr den Soldaten entflohen? Und wenn Ihr ein Verbrechen begangen habt, so sollt Ihr es büßen. Sagt mir, was Ihr begangen habt!“
„Wir sind Christen und wollen Zeugnis ablegen für den Glauben an die Gleichheit der Menschen, die Unsterblichkeit der Seele, die Liebe, die alle Welt erlöst, und für den Sohn des Menschen. Wenn auch Du Christ bist, um so besser, so wollen wir zusammen gehen und bekennen. Vielleicht, daß wir zusammen sterben können.“
Der Alte erschrak, und während er zugleich zitternd einen Schritt zurückwich, sah er die Sieben genauer an. In ihren hageren Gesichtern glühten Augen schwarz wie geronnenes Blut, Glanz und Modergeruch strömte aus ihren schimmligen Gewändern und wüsten Bärten. Ein heller Schein wölbte gleichsam eine Kuppel über sie.
Da stürzte der Alte in die Knie und rief entsetzt um Hilfe, denn er fürchtete sich vor diesen sieben Männern, die vom Tode auferstanden waren und wie die Richter des jüngsten Tages verschlossen und hartnäckig nach dem Sinn fragten.
Volk drängte herbei und umringte sie mit Ausrufen der Verwunderung, Neugierde und Ehrfurcht.
„Von welchem Kaiser redet Ihr? Welchem Richter, welches Jahr schreibt Ihr?
Wir sind alle Christen und leben doch. Wir leben doch alle trotz unseres Glaubens. Keiner tötet uns, keiner verfolgt uns. Ihr redet von längst vergangenen, finsteren Zeiten.“
„Wir meinen den Kaiser Dezius, der unsere Freunde und Geschwister wie uns selber einfing für die Löwen im Zirkus.
Gestern sind wir entflohen, wir wurden hinweg geführt und verbrachten eine Nacht im Schlaf in einer Höhle.“