Man ließ es bewenden und gieng dem Kampfspiel nach. 897
Hei! was man starker Schäfte vor dem Münster brach
Vor Siegfriedens Weibe bis hinan zum Saal!
Mit Unmuth sah es Mancher, dem König Gunther befahl.
Der König sprach: "Laßt fahren den mordlichen Zorn. 898
Er ist uns zu Ehren und zum Heil geborn;
Auch ist so grimmer Stärke der wunderkühne Mann,
Wenn ers inne würde, so dürfte Niemand ihm nahn."
"Nicht doch," sprach da Hagen, "da dürft ihr ruhig sein: 899
Wir leiten in der Stille alles sorglich ein.
Brunhildens Weinen soll ihm werden leid.
Immer sei ihm Hagen zu Haß und Schaden bereit."
Da sprach der König Gunther: "Wie möcht es geschehn?" 900
Zur Antwort gab ihm Hagen: "Das sollt ihr bald verstehn:
Wir laßen Boten reiten her in dieses Land,
Uns offnen Krieg zu künden, die hier Niemand sind bekannt.
"Dann sagt ihr vor den Gästen, ihr wollt mit euerm Lehn 901
Euch zur Heerfahrt rüsten. Sieht er das geschehn,
So verspricht er euch zu helfen; dann gehts ihm an den Leib,
Erfahr ich nur die Märe von des kühnen Recken Weib."
Der König folgte leider seines Dienstmanns Rath. 902
So huben an zu sinnen auf Untreu und Verrath,
Eh es wer erkannte, die Ritter auserkoren:
Durch zweier Frauen Zanken gieng da mancher Held verloren.
* * * * *
Fünfzehntes Abenteuer.
Wie Siegfried verrathen ward.
Man sah am vierten Morgen zweiunddreißig Mann 903
Hin zu Hofe reiten: da ward es kund gethan
Gunther dem reichen, es droh ihm neuer Streit.
Die Lüge schuf den Frauen das allergrößeste Leid.