Da sprach wieder Siegfried: "Und kommt es ihr zu Gut, 887
Daß deinem schönen Weibe sie so betrübt den Muth,
Das wäre mir wahrlich aus der Maßen leid."
Da blickten zu einander die Ritter kühn und allbereit.

"Man soll so Frauen ziehen," sprach Siegfried der Degen, 888
"Daß sie üppge Reden laßen unterwegen;
Verbiet es deinem Weibe, ich will es meinem thun.
Solchen Uebermuthes in Wahrheit schäm ich mich nun."

Viel schöne Frauen wurden durch Reden schon entzweit. 889
Da erzeigte Brunhild solche Traurigkeit,
Daß es erbarmen muste Die in Gunthers Lehn.
Von Tronje Hagen sah man zu der Königin gehn.

Er fragte, was ihr wäre, da er sie weinend fand. 890
Sie sagt' ihm die Märe. Er gelobt' ihr gleich zur Hand,
Daß es büßen sollte der Kriemhilde Mann,
Oder man treff ihn nimmer unter Fröhlichen an.

Ueber die Rede kamen Ortwein und Gernot, 891
Allda die Helden riethen zu Siegfriedens Tod.
Dazu kam auch Geiselher, der schönen Ute Kind;
Als er die Rede hörte, sprach der Getreue geschwind:

"O weh, ihr guten Knechte, warum thut ihr das? 892
Siegfried verdiente ja niemals solchen Haß,
Daß er darum verlieren Leben sollt und Leib:
Auch sind es viel Dinge, um die wohl zürnet ein Weib."

"Sollen wir Gäuche ziehen?" sprach Hagen entgegen: 893
"Das brächte wenig Ehre solchen guten Degen.
Daß er sich rühmen durfte der lieben Frauen mein,
Ich will des Todes sterben oder es muß gerochen sein."

Da sprach der König selber: "Er hat uns nichts gethan 894
Als Liebes und Gutes: leb er denn fortan.
Was sollt ich dem Recken hegen solchen Haß?
Er bewies uns immer Treue, gar williglich that er das."

Da begann der Degen von Metz Herr Ortewein: 895
"Wohl kann ihm nicht mehr helfen die große Stärke sein.
Will es mein Herr erlauben, ich thu ihm alles Leid."
Da waren ihm die Helden ohne Grund zu schaden bereit.

Dem folgte doch Niemand, außer daß Hagen 896
Alle Tage pflegte zu Gunthern zu sagen:
Wenn Siegfried nicht mehr lebte, ihm würden unterthan
Manches Königs Lande. Da hub der Held zu trauern an.