Da senkten es die Stolzen
Hinunter in die Flut;
Es ist wohl gar geschmolzen,
Seitdem es da geruht.
Zerronnen in den Wellen
Des Stroms, der drüber rollt,
Läßt es die Trauben schwellen
Und glänzen gleich dem Gold.

Daß doch ein Jeder dächte
Wie dieser König gut,
Auf daß kein Leid ihn brächte
Um seinen hohen Muth.
So senkten wir hinunter
Den Kummer in den Rhein
Und tränken froh und munter
Von seinem goldnen Wein.

II.

Einem Ritter wohlgeboren im schönen Schwabenland
War von dem weisen Könige die Märe wohlbekannt,
Der den Hort versenken ließ in des Rheines Flut:
Wie er ihm nachspüre erwog er lang in seinem Muth.

"Darunter lag von Golde ein Wunschrüthelein;
Wenn ich den Hort erwürbe, mein eigen müst es sein:
Wer Meister wär der Gerte, das ist mir wohl bekannt,
Dem wär sie nicht zu Kaufe um alles kaiserliche Land."

Auf seinem Streitrosse mit Harnisch, Schild und Schwert
Verließ der Heimat Gauen der stolze Degen werth:
Nach Lochheim wollt er reiten bei Worms an dem Rhein,
Wo die Schätze sollten in der Flut begraben sein.

Der werthe Held vertauschte sein ritterlich Gewand
Mit eines Fischers Kleide, den er am Ufer fand,
Den Helm mit dem Barete, sein getreues Ross
Mit einem guten Schifflein, das lustig auf den Wellen floß.

Seine Waffe war das Ruder, die Stange war sein Sper:
So kreuzt er auf den Wellen manch lieben Tag umher
Und fischte nach dem Horte; die Zeit war ihm nicht lang;
Er erholte von der Arbeit sich bei Zechgelag und Gesang.

Um das alte Wormes und tiefer um den Rhein
Bis sich die Berge senken, da wächst ein guter Wein:
Er gleicht so recht an Farbe dem Nibelungengold,
Das in der Flut zerronnen in der Reben Adern rollt.

Den trank er alle Tage, beides, spät und früh,
Wenn er Rast sich gönnte von der Arbeit Müh.
Er war so rein und lauter, er war so hell und gut,
Er stärkte seine Sinne und erhöht' ihm Kraft und Muth.