Man ließ den Frauen schenken. Es war am hohen Tag; 1366
Das edle Ingesinde der Ruh nicht länger pflag.
Sie ritten, bis sie fanden viel breiter Hütten stehn:
Da konnten große Dienste den edeln Gästen geschehn.
Ueber Nacht da pflegen sollten sie der Ruh. 1367
Die von Bechelaren schickten sich dazu,
Nach Würden zu bewirthen so manchen werthen Mann.
So hatte Rüdiger gesorgt, es gebrach nicht viel daran.
Die Fenster an den Mauern sah man offen stehn; 1368
Man mochte Bechelaren weit erschloßen sehn.
Da ritten ein die Gäste, die man gerne sah;
Gut Gemach schuf ihnen der edle Rüdiger da.
Des Markgrafen Tochter mit dem Gesinde gieng 1369
Dahin, wo sie die Königin minniglich empfieng.
Da war auch ihre Mutter, Rüdigers Gemahl:
Liebreich empfangen wurden die Jungfrauen allzumal.
Sie fügten ihre Hände in Eins und giengen dann 1370
Zu einem weiten Saale, der war gar wohlgethan,
Vor dem die Donau unten die Flut vorübergoß.
Da saßen sie im Freien und hatten Kurzweile groß.
Ich kann euch nicht bescheiden, was weiter noch geschah. 1371
Daß sie so eilen müsten, darüber klagten da
Die Recken Kriemhildens; wohl war es ihnen leid.
Was ihnen guter Degen aus Bechlarn gaben Geleit!
Viel minnigliche Dienste der Markgraf ihnen bot. 1372
Da gab die Königstochter zwölf Armspangen roth
Der Tochter Gotlindens und also gut Gewand,
Daß sie kein beßres brachte hin in König Etzels Land.
Obwohl ihr war benommen der Nibelungen Gold, 1373
Alle, die sie sahen, machte sie sich hold
Noch mit dem kleinen Gute, das ihr verblieben war.
Dem Ingesind des Wirthes bot sie große Gaben dar.
Dafür erwies Frau Gotlind den Gästen von dem Rhein 1374
Auch so hohe Ehre mit Gaben groß und klein,
Daß man da der Fremden wohl selten einen fand,
Der nicht von ihr Gesteine trug oder herrlich Gewand.
Als man nach dem Imbiß fahren sollt hindann, 1375
Ihre treuen Dienste trug die Hausfrau an
Mit minniglichen Worten Etzels Gemahl.
Die liebkos'te scheidend der schönen Jungfrau zumal.